Das Smartphone in der Badehose
 

Das Smartphone in der Badehose

Didi Tunkel kauft das von ihm gegründete Reiseunternehmen Splashline zurück und hat neue Ideen für die Zukunft von Summer Splash und Co.

Laut wummern die Bässe durch die Nacht, die den diesjährigen Maturanten einheizen, während Maturareise-Erfinder und Gründer des Reisever­anstalters Splashline sichtlich gelöst bekannt gibt, dass er das von ihm ­gegründete Unternehmen vom vorübergehenden Eigentümer Anton Aigner zurückgekauft hat.

Tunkel hatte bereits 1995 ein auf Maturanten spezialisiertes Reisebüro. 2000 unterbreitete ihm die 18-jährige HAK-Schülerin Julia Verhounig, damals Lindbichler, ihr Maturaprojekt: Man könnte einen All-inclusive-Club mieten und Maturareise mit Party kombinieren. Tunkel war begeistert und Summer Splash ­geboren.

Bis heute ist es ein hartes ­Geschäft, denn Maturanten sind keine wiederkehrende Klientel und müssen alljährlich aufs Neue begeistert werden. So kam es über die Jahre zum Wettstreit, insbesondere zwischen den Marktführern Didi Tunkel und Alexander Knechtsberger, der zunächst als Partner und dann als eigenständiger Anbieter mit X-Jam gegen Tunkels Summer Splash antrat.

2007 verkaufte Tunkel sein Unternehmen erfolgreich an die TUI Austria Holding, fungierte aber weiter als Mastermind und ­Geschäftsführer.

Schwere Zeiten

2014 folgte ein schwieriges Jahr für Splashline, das auch Spring Break, Snow Break Europe und weitere Clubbings veranstaltet. Einerseits wollte die TUI ihren Fokus wieder auf die großen Unternehmenssparten legen, „schon vor zwei Jahren führte ich erste Gespräche über einen Rückkauf“, so Tunkel.

Andererseits gab es die ­Vorwürfe, dass ein ehemaliger Mitarbeiter der Splashline konzerninterne Compliance-Richtlinien hinsichtlich Datenschutz verletzt hätte, was Tunkel als leitenden Manager den Job kostete.

„Ich übernehme hierfür die volle Verantwortung“, gibt Tunkel auch heute der unternehmensinternen Entscheidung über seine Freistellung Recht.
Aigner kaufte daraufhin Splashline, allerdings engagierte er Tunkel sofort wieder. Auch das Team hielt dem Burgenländer die Treue, wie auch Sponsoren und Zulieferer.

Nach dem Rückkauf möchte er kein Wort mehr „über den Mitbewerber“ verlieren und sich „auf neue Ziele konzentrieren“. Es gebe ­Interessenten, die bei Splashline einsteigen wollen und Tunkel will nicht mehr nur als Reiseveranstalter aktiv sein, sondern vor allem seinen großen Datenpool nutzen.

„In drei Wochen Summer Splash erreichten wir neun Millionen Pageimpressions, sechs Millionen Klicks, Tausende interagierende Jugendliche, 1,1 Millionen ­Videoaufrufe“ – zu Letzteren trug das mit Ö3-Moderator Peter L. Eppinger umgesetzte tägliche Format „ORF­eins Newssplash“ bei, das mehr als 300.000 Mal gesehen wurde.

Digitales Trendmarketing

So gilt also digitales Trendmarketing in der werblich schwer erreichbaren jungen Zielgruppe als neue Disziplin. „Die Jugend hat das Smartphone in der Badehose eingesteckt, das nutzen wir“, so der Unternehmer.

Das stößt auf Inte­resse. So meint Jasmina Sunjic-Richter vom Sponsoringpartner ÖAMTC, dass es die Daten der Maturanten seien, die das Unternehmen ­interessieren – pa­rallel zur Marken­positionierung über Poolspiele und witzige T-Shirts mit dem Schriftzug „Abschleppdienst“ für Burschen und „Pannenhilfe“ für Mädels.

Ähnlich nutzt Swatch seine Präsenz und bietet für Maturanten, die sich als Mitglieder einschreiben, die Gratisteilnahme am bunten Swatch Holi Festival an der Beach oder eine vergünstigte Uhr der Special Summer Splash Edition.

Ob Kronen Zeitung, Volksbank, Henkel, das 12.000 Produkte verteilt und die got2be-Styling-Lounge bietet, Red Bull mit der Cruise Missile Bootstour, XXXLutz mit ­Indoor-Disco, Generali mit Riesenwuzler, Hervis mit Bungee-Jump-Turm, die Havana Rum Bar – ihre Präsenz und die Daten der Jugendlichen ist den Partnern Sachgüter sowie 25.000 bis 150.000 Euro in bar wert.

Eben fand das abendliche Highlight in der Arena statt, DJ Rudi MC heizt der Menge ein, die Jugend tanzt und „eskaliert“, wie sie ruft, das allerdings auf erstaunlich diszipliniertem Niveau.

So kooperiert Splashline seit Jahren mit dem Partner risflecting, einem internationalen Expertenpool mit innovativem pädagogischem Ansatz für den Umgang mit Rausch und ­Risiko. „Alle unsere Mitarbeiter sind ­geschult“, erzählt Thomas Kenyeri, Geschäftsführer Kesch, der die Abwicklung und ­Organisation der drei Wochen Summer Splash gemeinsam mit dem Team des türkischen Eventveranstalters Turset verantwortet.

An jeder Ecke gibt es Wasser zur freien Entnahme, eine der wichtigsten Maßnahmen für reflektierten Alkoholkonsum. Schließlich wenden sich Didi Tunkel und seine Partnerin Julia Verhounig ­lachend an Maturanten, Studenten und Sponsoren: „What are you waiting for? Love us like you do!“

Anmerkung: Die Journalistin war Gast bei Summer Splash 2015.

Dieser Artikel erschien bereits am 31. Juli in der HORIZONT-Printausgabe 31/2015. Hier geht's zur Abo-Bestellung.
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