Dafür gibt es keine "Krisenfolien"
 

Dafür gibt es keine "Krisenfolien"

Samsung

Kommentar zu Samsung's Krisenkommunikation von Milan Frühbauer.

Als vor mehr als 30 Jahren die Öffentlichkeitsarbeit die Fachdisziplin „Krisen-PR“ entdeckte, wurden Verhaltenskataloge herumgereicht. Eine moderne Unternehmensführung muss, auf Basis einer im Trockendock aufgestellten Risikoanalyse, auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.

Für Fall X habe Folie Y in der Lade zu liegen. Die legt man über den Krisenfall und arbeitet den Maßnahmenkatalog ab. Funktioniert das auch im globalen Maßstab? Bei VW nur bedingt, bei Samsung praktisch nicht. Der Imageschaden ist beträchtlich, die Konsequenzen auf die Bilanz werden spätestens zu Jahresende ablesbar sein.

Die Causa „Samsung Galaxy Note 7“ zeigt, wie binnen kurzer Zeit ein Mischkonzern in Turbulenzen geraten kann. Die Öffentlichkeitsarbeit war, wie fast immer in straff hierarchisch geführten Unternehmen, anfänglich spröde und erst unter öffentlichem Druck faktenkonform. Offensichtlich zu spät!Das Beispiel zeigt die Verletzlichkeit globaler Marken.

Wenn ein Chemieriese Gift in Abwässer abgibt, artikuliert sich der Aufruhr zwar ebenso heftig – aber bald regional begrenzt. In der Handywelt wird eine Fehlproduktion zum Weltereignis. Dafür gibt es offensichtlich noch keine Krisenfolien. Aber beim nächsten Mal hoffentlich mehr Fingerspitzengefühl.

[Milan Frühbauer]
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