Backslash: Trendspotting durch internes Bewe...
 

Backslash: Trendspotting durch internes Bewegbild

Screenshot / TBWA
In den Backslash-Videos werden die verschiedensten Themen behandelt. Hier geht es um zwei Start-ups, die Kindern neue Technolgien näher bringen.
In den Backslash-Videos werden die verschiedensten Themen behandelt. Hier geht es um zwei Start-ups, die Kindern neue Technolgien näher bringen.

Die TBWA setzt in der internen Kommunikation bereits auf Bewegtbild. Experten orten jedoch noch Hürden.

Backslash ist der rückwärtsgewandte Schrägstrich, der einem im Internet oft begegnet. Er ist zudem Teil des Agenturlogos der TBWA, das die weltweiten Niederlassungen, wie die TBWA\Wien, miteinander verbindet. Zudem ist es der Name eines internen redaktionellen Agenturprojektes: Backslash ist ein TBWA-eigener Trendmonitor und News-Sender, mit dem Sinn, die Mitarbeiter mit aktuellen Trends via Video zu versorgen.

Jeden Tag wird ein etwa zwei Minuten langer Clip intern veröffentlicht, der sich nicht direkt mit Unternehmensthemen beschäftigt, sondern über Trends weltweit berichtet. Das Spektrum reicht von muslimischer Fashion über E-Sports bis zu New Nudism oder Gig Economy. „Die TBWA widmet sich damit auch dem gigantischen Change-Prozess, in dem sich Agenturen heute befinden, und nimmt dabei ihre neue Position ein: weg vom klassischen Network hin zu einem kreativen Kollektiv, das sich auf globalem kulturellem Wissen gründet“, erläutert Irene Sagmeister, Geschäftsführerin der TBWA\Wien.

Die Redaktion befindet sich im größten Agenturstandort in Los Angeles und besteht aus zehn Mitarbeitern, die sich Vollzeit dem Projekt widmen. Die Veröffentlichung auf der internen Plattform wird begleitet von einem Email-Alert, der alle Mitarbeiter einlädt, sich die tägliche Dosis Trends zu genehmigen. Ihren Input für die Videos bekommen sie von 200 Redakteuren, sogenannten Culture-Spottern, aus 35 Städten. Drei davon sitzen in Wien. Neben ihren Jobs in der Strategie, der Beratung und der Kreation, halten sie als Spotter die Augen auf und senden Ideen für Themen in ihrem Land an die Redaktion. „Die Plattform wurde geschaffen, um alle Mitarbeiter weltweit täglich mit den aktuellsten Trends zu konfrontieren und für den Wandel zu sensibilisieren“, so Sagmeister, „Werbung ist einem starken Wettbewerb mit der Alltagskultur ausgesetzt, es gibt täglich so viel Neues, das unterhält und ablenkt. Kommunikation für Marken muss da mithalten und deutliche Akzente setzen.“

Frage des Mehrwerts

Rosemarie Nowak, Lehrgangsleiterin an der Donau-Universität Krems für Interne und Change-Kommunikation, sieht das als sinnvolle Maßnahme: „Gerade Agenturen leben davon, aktuelle Trends vorab zu wissen. Somit ist es sinnvoll, diese in der internen Kommunikation zu integrieren.“ Das interne kommunizieren von Trends sei aber nicht in jedem Fall zielführend. In der klassischen internen Kommunikation seien es beispielsweise Mitarbeiterzeitungen, die auch an externe Interessenten ausgehändigt werden, die sich mit Themen abseits der Unternehmensarbeit befassen. Kulturelle Trends intern zu beobachten, mache natürlich vorrangig für die Personen Sinn, die sich damit auch professionell beschäftigen.

Für Sagmeister haben die Videos zudem einen motivierenden Wert, denn jedes hat einen Abspann, in dem die Spotter namentlich genannt werden, „darauf kann man stolz sein“. Ralf Tometschek, Experte für Internal und Employer Branding der Agentur Identitäter, sieht bei der internen Verwendung von Videos das „Potential bewegter Bilder, die sicher motivierender wirken als Poster“. Wichtig sei die Verbindung von Medien und Einbeziehung der Mitarbeiter, im Sinne des Mitarbeiter-Engagements. Hinzu kommt laut Nowak der Unterhaltungswert durch kurzweilige Clips.

Noch hohe Kosten

Viele schrecken noch vor den Kosten und dem Aufwand der Videoproduktionen zurück. Nur wenige große Unternehmen in Österreich, wie beispielsweise die ÖBB oder Kapsch, nutzen dies intern. „Früher war Bewegbild mit viel Arbeit verbunden, man brauchte eine spezielle Kamera und verbrachte viel Zeit beim Schnitt. Heute kann man Videos mit dem iPhone günstig und leicht erstellen“ sagt Nowak. Sie ist sicher, dass dies intern die Kommunikationstechnologie der Zukunft ist und ein „starres Internet“ ausgedient hat. „Ich denke, dass die Mehrheit der Unternehmen in Österreich diese Möglichkeiten nicht nutzt“ so Tometschek und fügt hinzu, „möglicherweise wird sich das in den nächsten Jahren ändern, wenn die ‚Generation YouTube‘ das Ruder übernimmt“. Auch Sagmeister ist sicher, dass wir im „Videozeitalter leben“ und Backslash der Weg ist, um Mitarbeiter informiert zu halten.
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