Ärger um Pitch im Burgenland
 

Ärger um Pitch im Burgenland

Christian HOUDEK
Florian Laszlo, Generalsekretär der weltweiten Vereinigung von Medienbeobachtern FIBEP und Branchenvertreter in der Wirtschaftskammer Wien.
Florian Laszlo, Generalsekretär der weltweiten Vereinigung von Medienbeobachtern FIBEP und Branchenvertreter in der Wirtschaftskammer Wien.

Eine Auftragsvergabe der Regionalmanagement Burgenland GmbH sorgt für Wirbel in der Branche: Kritiker sprechen von unnötigen Knock-out-Kriterien, die Anwältin verweist auf geltendes Recht

Dieser Beitrag erschien bereits in der HORIZONT-Ausgabe Nr. 29-30/2016 vom 29. Juli. Hier geht's zum Abo.

Die Debatte um Ausschreibungen von Aufträgen in der Werbe- und Kommunikationsbranche ist evident: Um etwa den Aufwand bei Vergaben zu reduzieren, verhandelt die Fachgruppe Werbung der Wirtschaftskammer (WKO) aktuell über Änderungen im Bundesvergabegesetz (BVG), immer wieder berichten Beteiligte über administrativ höchst aufwändige Ausschreibungen und nicht nachvollziehbare Hürden in der Teilnahme.
Aktuell erregt eine Ausschreibung der Regionalmanagement Burgenland GmbH die Gemüter: Diese sucht Experten für die tagesaktuelle Medienbeobachtung und daraus resultierend halbjährliche Medienresonanz-Analysen für EU-Förderprogramme im Burgenland bis ins Jahr 2020. Einige Details der Ausschreibung, die HORIZONT vorliegen, sorgen bei Beteiligten, die auf Grund von Geheimhaltungsvereinbarungen nicht genannt werden wollen, für Unverständnis.

Insider kritisieren etwa die Kosten für diese Ausschreibung und deren Abwicklung, die bei weitem höher seien als der jährliche Auftragswert. Zudem stören Ausschreibungsinhalte wie beispielsweise die Nachweise zur Leistungsfähigkeit der Bieter: Gefordert wird ein durchschnittlicher Gesamtjahresumsatz der letzten drei abgeschlossenen Geschäftsjahre in der Höhe von zumindest fünf Millionen Euro pro Jahr. Oder auch mindestens drei Referenzobjekte aus den letzten drei Jahren mit einem Gesamtumsatz von 500.000 Euro.
Das Aufstellen solcher Kriterien wird meist mit dem Wunsch nach Sicherheit begründet. Potenzielle Bieter sprechen hingegen von unnötigen Knock-out-Kriterien.

Verfahrensanwältin beschwichtigt

Von HORIZONT mit den Vorwürfen konfrontiert, entgegnet die mit der Ausschreibung betraute Verfahrensanwältin Vera Sundström: „Wir halten fest, dass die gegenständliche Ausschreibung nach den einschlägigen Bestimmungen des Unionrechts und den entsprechenden nationalen vergaberechtlichen Bestimmungen zu erfolgen hatte.“ Zum von Beteiligten geäußerten Vorwurf der nicht gerechtfertigten Knock-out-Kriterien hält sie allgemein fest, dass das hier in Rede stehende Verfahren „mit ausgewiesener, hoher fachlicher Qualifikation des Auftraggebers vorgenommen wurde“. Zudem hätte kein am einschlägigen Markt tätiges Unternehmen diese Ausschreibung bekämpft – dies untermauere die hohe Qualität des Verfahrens.

Berufsvertreter kritisiert

Anders sieht das Florian Laszlo, Vorsitzender des Ausschusses „Berufsgruppe Medienbeobachter“ in der Wirtschaftskammer Wien und zugleich auch Generalsekretär der ­FIBEP, der weltweiten Vereinigung von Medienbeobachtungsunternehmen. „Solche Ausschreibungen, bei denen es um ein geringes Volumen geht, die jedoch mit viel Aufwand gemacht werden, sind oft problematisch. Wenn dann Knock-out-Kriterien drin stehen, die um ein Vielfaches das zu vergebende Volumen übersteigen, wundert man sich“, so Laszlo. Dies sei eine Belastung für die Branche, als Standesvertreter gelte es auf solche Missstände hinzuweisen. „Besonders EPU und KMU werden durch sachlich nicht gerechtfertigte Anforderungen und unnötig komplizierte Ausschreibungen besonders diskriminiert, während auch die Auftraggeber von einfacheren Prozessen profitieren würde“, so Laszlo.

Die Ausschreibung sieht jedenfalls eine Bekanntgabe des Zuschlags mit 27. Juni 2016 vor. Ob und an wen der Auftrag vergeben wurde, wollte Verfahrensanwältin Sundström mit Verweis auf gesetzliche Bestimmungen während eines laufenden Verfahrens nicht kommentieren. Fortsetzung folgt wohl garantiert.
stats