Zwischen Porno und Prüderie
 

Zwischen Porno und Prüderie

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Kommentar von Jakob Steinschaden

Dass der Playboy in den USA 2016 damit aufhören wird, nackte Frauen in seiner US-Ausgabe herzuzeigen, hat diese Woche ordentlich für Aufsehen gesorgt. Denn was ist das Magazin, das 1953 mit Marilyn Monroe am Cover debütierte, denn ohne die Inhalte, für die es weltberühmt wurde? Die Macher, unter ihnen immer noch der 89-jährige Hugh Hefner, haben sich eingestanden, gegen kostenlos ­verfügbare Online-Pornografie jeglicher Spielart den Kampf verloren zu haben. Was gratis und in Video nur wenige Klicks weit weg ist, dafür bezahlt heute in gedruckter Version niemand mehr, so viele Analysen.

Die Abkehr von der Abbildung nackter Frauen hat aber noch einen zweiten Aspekt. Die Auflage des US-Playboy (die deutsche Ausgabe will weiter nackte Brüste zeigen) ist von 5,6 Millionen 1975 auf heute rund 800.000 geschmolzen. Parallel sind die Nutzer von playboy.com auf 16 Millionen angewachsen. Gelungen ist das, weil playboy.com auf Nacktbilder (Stichwort Nippel) verzichtet und Inhalte produziert, die auf Facebook, Instagram und Co. geteilt werden dürfen. Will Playboy digitale Magazine auf Apple-Geräten verkaufen, dürfen ebenfalls keine Nackten zu ­sehen sein. So sieht die Realität für Verleger aus: Selbst der große Hugh Hefner muss sich den prüden Hausregeln der Online-Plattformen beugen, wenn er digitale Reichweite will.
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