Zukunftsvision oder Brett vorm Kopf?
 

Zukunftsvision oder Brett vorm Kopf?

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Kommentar von Jakob Steinschaden

Brendan Iribe ist einer der neuen Stars der Hightech-Branche. Seine Firma Oculus Rift, die die beste Virtual-Reality-Brille (VR) der Welt in den nächsten Monaten auf den Markt bringen will, hat sich Facebooks Mark Zuckerberg um zwei Milliarden Dollar gekauft. Für Kritiker mag die klobige, schwarze Brille, die man sich vor die Augen schnallt, sinnbildlich für die Verdummung der Menschheit im digitalen Zeitalter stehen. Doch wer sie einmal aufgehabt hat, der wird zustimmen: Man hat einen Blick auf die Zukunft erhascht. Mit Oculus Rift taucht man in eine virtuelle Umgebung ein, die faszinierend detailgenau ist.

Am Web Summit, der diese Woche mehr als 20.000 Digital-Aficionados nach Dublin lockte (einen großen Bericht lesen Sie in der nächsten HORIZONT-Ausgabe), hatte ich die Gelegenheit, mit Iribe persönlich zu plaudern. 3D-Filme, Games, Videochats, virtuelle Hausbesichtigungen oder Schulklassen, Online-Shopping – alles es ist denk- und machbar. Was aber noch spannender war, als mit Iribe zu diskutieren und ihn über Googles Daten-Brille („Google Glass ist ein Segway für dein Gesicht“, scherzte Iribe über Parallelen zum einst gehypten Geh-Ersatz, der heute ein Nischendasein fristet) lästern zu hören, war seine eigentliche Vision: Er und sein Chef Zuckerberg sehen VR-Brillen als die nächste Computer-Plattform nach PC und Smartphone. Sie wollen, dass einmal jeder so ein Ding aufhat.

Dass das nicht morgen passieren wird, weiß Iribe auch – er redet deswegen gerne von einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren, in dem er Oculus Rift groß machen will. Dass es bis dahin einige Hürden zu nehmen gilt, weiß Iribe auch. Eine ist das Design. „Ja, die Dinger sollten eher so angenehm wie Sonnenbrillen zu tragen sein”, gestand er, aber daran arbeite man bereits. Wenn er es schafft, dann werden vielleicht auch seine größten Kritiker nicht mehr vom Brett vorm Kopf, sondern von einer Zukunftstechnologie sprechen.
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