Zeit für Mut
 

Zeit für Mut

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Jenseits des HORIZONT

Die Salzburger Nachrichten (SN) haben ihr Tagblatt beeindruckend gut erneuert. So könnte die Qualitätszeitung der Zukunft aussehen: Verzicht auf News, die man online ohnehin schneller ­konsumiert, Schwerpunkte in jedem Ressort, journalistisch gut aufbereitet. Eine Einladung zum Lesen. Und Nachdenken. Die SN sprechen – im Unterschied zum Boulevard – ein wirklich breites ­Publikum an. Nicht umsonst sind sie in ihrem Land Marktführer: weil sie das Lokale und Regionale gut und ­seriös abbilden. Und offensichtlich den Dialog mit den Lesern führen.

Die „alte“ FAZ kommt mit Neuem daher: ein täglicher Fortsetzungs-Comic, gezeichnet von 49 unterschiedlichen ­Illustratoren und Autoren – und das ausschließlich online. So verbindet man Welten. Die Zeit feiert Erfolge mit ihrer Hamburger Regionalausgabe und geht mit dem Magazin online – und zwar avantgardistisch. Der Spiegel hat nicht nur sein Layout geändert, sondern auch inhaltliche Neuerungen eingeführt. Spiegel Online wird weiterhin autonom geführt, in stärkerer Verzahnungskonkurrenz mit dem gedruckten Blatt.
Dass – nebenbei gesagt – mittlerweile die deutschen Arbeitsgesetze Onlinejournalisten und Printredakteure gleichsetzen, hat sicherlich am Rande mit den neuen Synergetikern zu tun: Onliner sind keine Underdogs mehr, und die etablierten Journalisten werden in Zukunft weniger verdienen. So will es der Ansatz zum neuen Flächenvertrag.

Springer macht zwar erstmals mehr Erlöse im Digitalen als im Analogen; logisch, weil man vieles aus dem Print­imperium verkauft hat. Gleichzeitig bringt der Verlag mit dem neuen ­Bilanz ein gedrucktes Magazin – mit vielen Kinderkrankheiten – heraus und bettet den TV-Sender N24 in den zentralen Newsroom ein. Offensichtlich erwartet man sich Rendite und Renommee. Nebenbei launcht man ­Monoausgaben früherer Print-Erfolgstitel: Ein neuer Weg zur Einmalpublikation? Oder ein Test?

In jedem Fall: Die Medien, die sich als Medien und nicht primär Marketing­instrument verstehen, fangen an, neues Selbstbewusstsein (und sei es aus Verzweiflung) zu tragen. Die Werbewirtschaft dürfte positiv darauf reagieren. Diese Medien haben die Priorität des Contents vor dem Channel verstanden.
Allen Vernünftigen ist klar: Ohne Mobile geht nichts. Ohne zentrales News-Management auch nichts. Digital und Analog sind nicht Widerspruch. Die Forcierung des Gedruckten kann aber nicht Nostalgie bleiben. Oder Maschinenstürmertum gegen das Digitale, das ständig neue Herausforderungen bringt und zu raschem Reagieren zwingt. Gerade im News-Bereich. Kids beziehen ihre News nämlich signifikant intensiv weder aus Onlineplattformen oder aus gedruckten Kaufmedien, sondern primär aus Social Communities: Facebook oder anderen. Und das auch eher per Zufall und Pushing. Oder sie blättern nebenher in der U-Bahn in einem Gratismedium. Auch zufällig, wenn sie dessen habhaft werden.

Medien müssen heute eines beweisen, um erfolgreich zu sein: dass sie fundiert sind. Und Welten für Zielgruppen erschließen. Nicht bloß Projektions­flächen für die Werbewirtschaft sind. Das funktioniert nicht mehr. Qualität wird auch die Werbewirtschaft wieder überzeugen. Einige Medien führen das vor. Mit unterschiedlichen Modellen. Aber einem klaren Bekenntnis zu ihrem ethischen Code.

[Jenseits des HORIZONT]
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