Zahlen zahlt sich aus
 

Zahlen zahlt sich aus

Glosse von Rainer Seebacher

Die Axel Springer AG vermeldete kürzlich ihre Jahresbilanz: 1,17 Milliarden Euro erwirtschaftete der Hamburger Konzern mit digitalen Medien. Damit sind diese erstmals der umsatzstärkste Geschäftsbereich des Konzerns. Springer-Boss Mathias Döpfner frohlockt: „Wir wollen den digitalen Umbau des gesamten Unternehmens deutlich forcieren, um unsere Position als Vorreiter der Digitalisierung weiter auszubauen.“ Diese Erfolgsmeldung birgt auch einen Hoffnungsschimmer für alle anderen Verleger, die Hoffnung, dass der Leser für digitale Inhalte zu zahlen bereit ist. Denn: Axel Springer gilt auch als Vorreiter in Sachen Paid Content – zumindest im deutschsprachigen Raum. Ein weiterer Krümel, der diese Hoffnung nährt: Die britische Financial Times hat einem Bericht des Guardian zufolge mittlerweile mehr digitale Abonnenten als Printleser.

Und selbst in Österreich gibt es eine neue Initiative: In diesem Frühjahr will die Plattform Format/trend ­exklusive Inhalte hinter einer Bezahlschranke verschwinden lassen. Hiererorts sind die Erfolge mit Paid-Content-Modellen noch sehr bescheiden – Jubelmeldungen blieben bis dato aus. Doch der Mensch ist bekanntlich ein Gewohnheitstier. Die lange Jahre von den Medienmachern selbst genährte Erwartung, Medieninhalte müssten gratis sein, können nur sie selbst dem Konsumenten auch wieder abgewöhnen. Etwa mit gutem Journalismus. Denn für Gutes, Relevantes und Nützliches ist die Mehrheit schon bereit, etwas zu bezahlen. Billig hergestellte Inhalte sind zwar gratis, aber selten kostenlos. Sie kosten den Leser wertvolle Zeit, um im Heuhaufen der Aufregernachrichten die für ihn relevante Nadel herauszusuchen.
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