Wo und warum Wirtschaft wächst
 

Wo und warum Wirtschaft wächst

Kolumne von Walter Braun

Laut Weltbank wird die Weltwirtschaft heuer um 2,9 Prozent wachsen, dem Internationalen Währungsfonds zufolge sollten es 3,6 Prozent sein. Allerdings wird vor einem schwächelnden China (Anteil an der globalen Produktion: 17 Prozent) gewarnt. Sicher ist, dass die chinesische Währung nach unten gedrückt wird und deshalb Importe zurückgehen.

Russlands Wirtschaft ist anhaltend schwach. Brasilien schrumpft beträchtlich (2015 und 2016: minus fünf bis sechs Prozent) – Unruhen sind unter diesen Umständen nicht auszuschließen. Von den BRIC-Staaten kann einzig Indien ein ­Superjahr erwarten.
Sonniger ist der Ausblick für den angloamerikanischen Raum: Die USA und Großbritannien sollten heuer mit jeweils 2,8 Prozent kräftig zulegen. In beiden Ländern ist ein Job-Wunder zu registrieren. Auch die Reallöhne steigen seit Langem ­erstmals wieder.

Die Eurozone profitiert von niedrigen Zinsen, tiefen Erdölpreisen und einer schwachen Währung – die Auguren pochen hier auf ein Plus von 1,6 Prozent. Für die gesamte EU (28 Länder) wird ein Wachstum von zwei Prozent erhofft. Allerdings sind Frankreich (zu geringes Wirtschaftswachstum, zu hohe Sozialausgaben) und Spanien (zu hohe Arbeitslosigkeit, instabile politische Lage) zwei ernste Problemfälle, die von einer Lösung weit entfernt sind.
Was den Konsum dämpfen könnte: Mehr Geld fließt in die Verteidigung (inklusive Grenzsicherung, Terrorismusabwehr, Spionage, Überwachungstechnologien sowie die Entwicklung einer unknackbarer Digitalverschlüsselung, um Cyberverbrechen vorzubeugen).

Was längerfristig ebenfalls den Konsum reduzieren wird, sind die enorm wachsenden Ausgaben für ­Altenbetreuung, besonders bei ­Demenzfällen. Das könnte zur Folge haben, dass sich (unfreiwillig) Mehrgenerationenhaushalte ausbreiten, da die Jungen sich die teuren Großstadtmieten nicht leisten können, während der Staat bei der Altenbetreuung nichts mehr zuschießt.
Für die Werbewirtschaft hofft Martin Sorrell auf ein gutes Jahr, da 2016 eine Reihe von Großereignissen (Sommerspiele in Rio, Fußball-EM, US-Präsidentschaftswahlen) zu bieten hat. Weniger rosig sieht es für Online-Medien in Sachen Digitalwerbung aus: Laut SourcePoint könnte bis 2017 die Hälfte aller Browser in Europa mit Werbeblockierung ausgerüstet sein.

Sichtbarkeit („viewability“) von Online-Werbung wird zum heißen Thema: Das IAB empfiehlt 70 Prozent Sichtbarkeit bei Nachrichteninhalten, in Europa wird nur die Hälfte erzielt. Zurzeit sieht der IAB-Standard vor, dass 50 Prozent der Werbung zumindest eine Sekunde sichtbar sind. Höchst bescheiden.
Jüngste experimentelle Gegenaktion einiger Verlage: Werbung anhand der Sehdauer abzurechnen. Die nächste Stufe wäre, das Engagement (mit den dargebotenen Botschaften) zu berechnen; das ist aber noch Zukunftsmusik. Längst fällig – und von Nielsen vor kurzem angekündigt – ist eine vereinheitlichte Publikumsmessung quer über alle Bildschirme.

[Walter Braun
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