Wie schockiert waren Sie?
 

Wie schockiert waren Sie?

Glosse von Clemens Coudenhove

Dass der ORF vergangenes Wochenende mit den zahlreichen Sendungen zum Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 insgesamt über drei Millionen Zuseher erreichte, verwundert nicht. Schließlich üben die tragischen Ereignisse vor zehn Jahren immer noch eine irgendwie beschämende Faszination aus, nicht zuletzt aufgrund der einprägsamen Bilder der brennenden und einstürzenden Twin Towers in New York.

Teilweise ist die Übung gut gelungen, einiges hat dann aber ziemlich genervt. Etwa der Auftakt am 4. September mit dem – doch tatsächlich als „dok.film“ ausgestrahlten Machwerk „9/11 Mysteries – Die Zerstörung des World Trade Centers“. Ein derartiger Unsinn für mehr oder weniger kranke Verschwörungstheoretiker sollte im ORF nicht gezeigt werden, mit Gebührengeld nicht gekauft werden. Vor dem Film gab es ein ebenfalls unsinniges Insert, in dem stand: „Der ORF stellt diese spekulative Ansicht zur Diskussion, distanziert sich jedoch von anfälligen (sic!) Aussagen, die dem ORF-Gesetz, insbesondere dessen Objektivitätsgebot, widersprechen.“

Auch nicht schlecht: Was man von Privatradiosendern und Ö3 gewohnt ist, nämlich Promis nach ihren Erinnerungen an die Anschläge zu befragen, durfte auch in der ZIB-Sondersendung nicht fehlen. Heinz Fischer, Doris Bures und Udo Jürgens durften da erzählen, wie sie von den Anschlägen erfahren haben und wie schockiert sie waren. Und noch eine Frage: Gibt es in Österreich eigentlich noch andere Militärexperten außer Gerald Karner? Und noch ein Lob an dieser Stelle: Ö1 hat meine persönliche Bilanz der ORF-Berichterstattung zum Jahrestag der Anschläge mit differenzierten und durchwegs interessanten Sendungen dann doch deutlich verbessert. Danke!
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