Wie rosig ist die Zukunft von Magazinen?
 

Wie rosig ist die Zukunft von Magazinen?

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Kommentar von Walter Braun.

Seit der Digitalisierung der Medienlandschaft wurde wiederholt gemutmaßt, Radio würde aufgrund von iTunes schrumpfen, Tageszeitungen würden im Wettbewerb gegen das Web verlieren und das Fernsehen zugunsten von Video-on-Demand einbüßen. In dieser Diskussion wurden Magazine selten erwähnt.

Hat dieses Medium etwas, das es gegenüber dem Digitalisierungs-Virus immun macht? Diesen Eindruck konnte man bei der kürzlich in Chicago abgehaltenen „American Magazine Conference“ bekommen. Die Chefs der großen Medienhäuser Condé Nast, Time, Hearst kamen nacheinander zu dem Schluss, die Zukunft der Branche wäre erfreulich. Von zunehmenden Leserzahlen und Werbeeinnahmen war die Rede. Laut einer Erhebung von Magazine "Radar" stehen die Illustrierten und Magazine in den USA vergleichsweise gut da: 60 Prozent vermochten im schwierigen Jahr 2009 ihre Umsätze zu behaupten oder leicht zu steigern.

Grund der Freude: iPod-Applications bescherenden Illustrierten zusätzliche Einkommen, da Verbraucher exakt jene Qualitätsbilder, auf die sich Magazine so gut verstehen, goutieren. Das hat auch die größte Kaffeehauskette der Welt bemerkt: Anfänglich nutzten Starbucks-Besucher den zur Verfügung gestellten WiFi-Anschluss bloß, um E-Mails zu checken; nun loggen sie sich vermehrt in Medien-Websites ein. Die geschäftstüchtigen Kaffeeröster wollen daher in den USA einen Gratiszugang zu begehrten Printmedien ermöglichen. Ohne einen Finger zu rühren, kann Starbucks so auf einen Schlag zum größten Zeitungskiosk des Landes aufsteigen. Also alles in Butter bei den Magazinen? Nicht ganz.

Der 57 Jahre alte Großvater aller bunten Tratschblätter hat kürzlich durchblicken lassen, dass das Blatt bankrott ist. Zur besten Zeit hatte "The National Enquirer" circa vier Millionen Leser, bei der jüngsten Quartalsabrechnung waren es gerade noch 0,7 Millionen. Auch der "Star", das Schwestermagazin des Verlags, bricht rapide ein. Mit seiner rücksichtslosen Jagd nach Aufdeckungsgeschichten bei Berühmtheiten und seinen zahlreichen Falschmeldungen hat sich der "Enquirer" Feinde gemacht– was die vielen Epigonen mit ihren geschönten PR-Geschichten vermieden haben.

Andererseits landete der "Enquirer" eine Reihe journalistischer Coups und war sogar für die höchste Journalismus-Auszeichnung nominiert – einzigartig für ein Klatschblatt. Das Magazin dürfte nach einer finanziellen Rettungsaktion vermutlich überleben. Eine Frage bleibt aber zu stellen: Werden digitalisierte Magazine Qualitätsjournalismus bieten können? Die Verlage scheinen ihre Angebote auf ein Multimediaerlebnis hinzutrimmen, das mehr die Anmutung eines Videospiels denn eines Leseerlebnisses hat.

Ob „bunte Bilder mit Tönen“ reichen werden, die Zukunft gedruckter Magazine zu sichern, wird sich weisen. Die vielen Apps, mit denen sie derzeit ihr Online-Geld machen, sind eine Ausgeburt der Marketingabteilungen, nicht von Journalistengehirnen. Auf Dauer werden aber nur gute Storys ziehen, nicht Multimediaeffekte…

Walter Braun
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