Wie Print unter die Media-Räder kommt
 

Wie Print unter die Media-Räder kommt

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Leserbrief von Thomas Koch

Lieber Sebastian Loudon,

mit Ihrem Beitrag greifen Sie ein wichtiges Thema auf. Nicht nur steuern die Mediaagenturen Print bewusst in eine existenzielle Krise – und das lediglich, weil sie an TV und Online mehr verdienen. Die Verzerrungen, die dadurch in vielen Media-Auftritten entstehen, schädigen die Marken bereits nachhaltig: Markenaufbau und Konsumentenloyalität schwinden zusehends.

Ich gehe noch einen Schritt weiter. Die von Ihnen beschriebene „Arschlochkarte“ bekommen die Mediaagenturen sehr bald selbst. Nicht nur wachen die ersten Kunden auf und stellen das mangelhafte Beratungskonzept ihrer Media-Großhändler infrage. Nicht nur beruht das einträgliche Geschäftsmodell der Media-Oligopolisten auf Intransparenz bis hin zu betrügerischem Umgang mit Kundengeldern, womit sie sowohl Kartellbehörde als auch Gesetzgeber auf den Plan rufen.

Das Thema ist in meinen Augen noch größer. Die Mediaagenturen greifen mit ihrer Gier nach Rendite in das für das Funktionieren unserer Gesellschaft unerlässliche Mediensystem, gar in medienpolitische Strukturen ein. Sie stellen die wirtschaftliche Existenz ganzer Medien infrage, die für ihre ­Nutzer und die Gesellschaft von unverzichtbarem Wert sind. Daran müssen sie gehindert werden. Das kann die ­Politik. Und das, hier gebe ich Ihnen recht, sollten die Auftraggeber – wenn sie die vielseitige Medienlandschaft erhalten wollen, auf die sie so sehr angewiesen sind.

Ihr Thomas Koch

Dieser Leserbrief erschien bereits am 31. Oktober in der HORIZONT-Printausgabe 44/2014. Hier geht's zur Abo-Bestellung.
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