Wenn die Wirtschaft neue Assets fordert …
 

Wenn die Wirtschaft neue Assets fordert …

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„Schul-Ungerechtigkeit“ titelte Peter Michael Lingens im letzten "profil" seinen Kommentar und forderte die gleichberechtigte Förderung aller Schulen, allen voran eine finanzielle Gleichstellung von Waldorfschulen und katholischen Privatschulen.

„Schul-Ungerechtigkeit“ titelte Peter Michael Lingens im letzten "profil" seinen Kommentar und forderte die gleichberechtigte Förderung aller Schulen, allen voran eine finanzielle Gleichstellung von Waldorfschulen und katholischen Privatschulen. Eine erfreuliche Entwicklung, dass immer mehr Menschen erkennen, dass Mainstream nicht zwangsweise gut ist – und vor allem in Zukunft vielleicht überhaupt nicht mehr gut ist, weil nicht mehr gefragt.

Noch glauben Mütter und Väter, dass es wichtig sei, ihre Kinder möglichst früh auf unsere Leistungsgesellschaft einzuschwören, sie zu stählen, damit sie das aushalten und bewerkstelligen, was im Gymnasium in verschärfter Form und im Berufsalltag ein Leben lang in unerbittlichster Weise unausweichlich auf sie zukommen wird. Doch sind wir in unserem heutigen Berufsalltag wirklich noch ein erstrebenswertes Vorbild für unsere Kinder? Haus, Auto, Putzfrau sind zwar vorhanden, dafür sind wir gestresst, getrieben, müde, hektisch. Tendenz steigend, vor allem aufgrund von „Working Moms“.

Werden unsere Kinder die Arbeitswelt, auf die wir sie heute noch vorbereiten, haben wollen? Und: ist das, was heute in der Schule – vorbereitend auf die Leistungsgesellschaft nach aktueller Vorstellung – unterrichtet wird, morgen überhaupt noch relevant? Wir haben Google. Wozu wissen, was 1378 nach Christus passiert ist? Wozu auswendig lernen? Fakten prüfen? Das gibt es im Überfluss im Web. Und es vermehrt sich schneller als ein Buch gedruckt werden kann. Zukunftsforscher Professor Peter Kruse sagte einst im BESTSELLER-Interview: Diese Informationsflutist in Zukunft nur „durch eine möglichst breite Allgemeinbildung“ sowie durch „Empathie und Querdenke“ zu bewältigen. Allgemeinbildung für die Ordner im Hirn, um die Dinge einordnen zu können. Empathie mittels Schwimmen statt faktischem Filtern und Querdenke, um die Einzelteile eigenständig zu Neuem verbinden zu können.

Alles Dinge, die heute noch nicht gefordert, aber auch nicht gelehrt werden. Unsere Kinder werden in Zukunft mehr denn je die Fähigkeit zu eigenen Gedanken, zu eigenen Kreationen und neuen Entwicklungen benötigen. Dazu braucht es Mut, ein positives Gefühl für seine Individualität und die Sicherheit, dass sie sein darf, ohne ständig auf der Abschussliste eines jeden Vorgesetzten zu stehen. Derzeit werden die Kinder in den Schulen noch zu Normwürfeln geformt und auf maximale Funktionstüchtigkeit hin getrimmt, belastbare Hüllen. Was wir aber brauchen werden, ist innere Substanz, mit individueller Masse randvoll gefüllte Kinder, die wissen, wer sie sind und was sie können.

Sie wird man nicht herumkommandieren können, nicht auspressen, aber sie werden eine Fähigkeit haben: sie werden ihre ureigenste Sicht der Dinge entwickeln können, sie werden bewerten und beurteilen können, trotz oder gerade wegen der unheimlichen Informationsflut, die für sie keine Bedrohung mehr darstellen wird, sondern einen wertvollen Rohstoff– den sie für ihr selbstbestimmtes Leben brauchen. Deshalb, ja Herr Lingens, sollten wir alles Geld der Welt in Alternativen stecken, solange sie die Individualitätstärken und fördern. Sonst vermitteln wir unseren Kindern eine Welt, die unsere Kinder vielleicht nicht leben wollen werden.
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