Wenn die Großen rufen?
 

Wenn die Großen rufen?

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Jenseits des HORIZONT

Gerhard Zeiler hat jüngst in einem Interview in der Zeit zwei vielsagende Kunstpausen eingelegt. Die erste auf die Frage, ob die österreichische ­Politikergeneration von heute medioker sei. Und das zweite Mal, als er gefragt wurde, ob er sich ein Engagement in der österreichischen Politik vorstellen könnte. Zeiler meint vieldeutig, die Frage stelle sich nicht, es habe niemand Wesentlicher nach ihm gerufen? Was indirekt die Antwort auf die erste Frage ist. Mittelmaß scheut Qualität. Und die hat Zeiler zweifellos, und er sagte auch: „Es fragt niemand, also gibt es keine Antwort.“

Mittelmaß, das Maß unserer Republik, der Auseinandersetzungen, die zu gesellschaftspolitischen Themen geführt werden, der Maßstab für die ­Medien, auch, wenn sie sich Qualitätsmedien nennen mögen. Es lebt sich vorerst gut im Mittelmaß. Das sagt auch Zeiler: „Uns geht es gut.“ Österreich zählt zu den wohlhabendsten Ländern der Welt, sagt eine jüngst erschienene Statistik. Wir liegen knapp hinter den USA, die aus den Top Ten gerutscht sind. Österreich ist aber in einem zweiten Segment eklatant zurückgefallen: in der Qualität der Bildung. Dort liegen wir an 24. Stelle.

Aber es geht uns noch gut. Ob wir in ein paar Jahren noch wettbewerbsfähig sind, kümmert das heutige Mittelmaß nicht, darf es auch nicht kümmern.
Dafür haben wir einen Menschen, der direkt aus dem All auf die Erde fliegt und dann meint, man müsse eine Art sanfter Diktatur einführen, mit einigen gescheiten Menschen, die sagen, wie es weitergeht, dann würde schon alles gut.

Dafür haben wir eine Volksbefragung zum Thema Landesverteidigung, deren Sinnhaftigkeit von den meisten kundigen Menschen infrage ­gestellt wird. Aber wir beweisen immerhin pro forma, dass wir für mehr direkte Demokratie sind. Auch beim Parkpickerl.

Wir haben einen Bundeskanzler, der kaum noch in Erscheinung tritt, außer, wenn er mit Udo Jürgens zum Ganslessen geht und beide einander versichern, wie sehr sie einander schätzen. Wie hieß so ein Lied von Udo Jürgens: Aber bitte mit Sahne. Schlag, sagt man auf Österreichisch.

In diesem Sinne war Zeilers Schweigen ein Schlag ins Gesicht. Zuletzt stirbt die Hoffnung. Vielleicht finden sich doch ein paar nicht mediokre Menschen, die ihn fragen?

[Jenseits des HORIZONT]
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