Was wird aus der guten alten Zeit(ung)?
 

Was wird aus der guten alten Zeit(ung)?

Kommentar von Birgit Schaller

Ein wenig kommt Melancholie auf, ob der Titelgeschichte dieses HORIZONT. Die Tageszeitung muss Tageszeitung bleiben, klarerweise trommeln sämtliche Verleger, all ihren Aktivitäten rund um das Wochenende zum Trotz, dieses Motto. Doch die Zeichen stehen generell auf Veränderung. Die Medien selbst investieren in das werblich wie auflagentechnisch starke Wochenende, setzen Akzente und bieten parallel neue Abo­varianten, die reinen Wochenendlesern den Wochentag zumindest in E-Paper-Form näherbringen – und verkaufen – wollen.

Parallel zu diesen Entwicklungen zollt das eigene Leseverhalten der zunehmenden Fragmentierung, dem bunten Angebot aus Kurznachrichten und dem starken Input visuell geprägter Inhalte Tribut: Mehr Digital, weniger ­Papier ist Realität. Von den Kindern der neuen Generation gar nicht zu sprechen. Mit gut Glück werden die von Mutter speziell ausgewählten (gedruckten) Artikel, natürlich zumeist aus Wochenendausgaben von Tageszeitungen, über­flogen. Selbst der 70-jährige Großvater wendet sich neuen Medien zu. Viele Jahre war er nachtaktiv und führte sich sämtliche Tageszeitungen täglich in gedruckter Form zu Gemüte, eroberte Seite für Seite. Doch auch er hat inzwischen ein iPad und liest sämtliche deutschsprachige Qualitätsmedien aus dem In- und Ausland vorwiegend in digitaler Form. Einzig das nachlassende Augenlicht hält Print am Nachttisch.

Lässt sich daraus ein Trend ableiten? Nein, natürlich nicht, was hat schon das Leseverhalten einer Familie zu bedeuten. Obwohl iPhones, Android-Geräte, Tablets und Co. immer lesefreundlicher werden, die junge Generation ihre persönlichen Geräte liebt, Zeitungen in gedruckter Form gleichzeitig an Auflage verlieren und das Zeitbudget abnimmt, weist all das klar in eine Richtung: Die Zukunft ist crossmedial, das liegt auf der Hand, auch wenn die Aussage der 17-jährigen Tochter Mut macht: „Wenn ich erwachsen bin, werde ich die echte Zeitung ­lesen, so wie ihr.“ Ob diese deshalb aber täglich erscheinen wird, bleibt abzuwarten. 



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