Was nun, liebe Öffentlich-Rechtliche?
 

Was nun, liebe Öffentlich-Rechtliche?

Kolumne von Walter Braun

Generation Xbox ist es gewohnt, Unterhaltung im digitalen Eden gratis zu konsumieren, ohne auch nur einen zarten Gedanken daran zu verschwenden, woher die Inhalte kommen und wer sie finanziert. Vielleicht sollte man die Jungen einmal befragen, ob ihnen der Begriff „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“ etwas sagt. Würde dabei herauskommen, dass Versorgungsauftrag purer Anachronismus ist?
So, wie viele Haushalte auf Mobil­telefon umgestiegen sind und nicht länger Festnetzgebühren bezahlen, besitzt Jungvolk heute oft kein Radio oder TV-Gerät. In einigen Ländern hat die Politik eine Rundfunksteuer (pro Haushalt) eingeführt. Wie lange sich solche Abgaben halten können, ist ­ungewiss. Überall, wo Rundfunkgebühren pro Gerät eingehoben werden, gehen die Einkünfte zurück. Von den zur Zeit knapp 27 Millionen Haushalten in Großbritannien haben über 1,7 Millionen kein konventionelles Fernsehgerät mehr. Allein in den vergangenen drei Monaten ist diese Zahl um 150.000 angewachsen. Gering Beschäftigte und Bezieher von mageren Pensionen können sich diese Abgabe nicht recht leisten. Auf der anderen Seite müssen die Staatsäckel enger geschnürt werden – weshalb die britische Regierung der BBC angeordnet hat, ihr Programm den über 75-Jährigen künftig gratis zur Verfügung zu stellen.

Der Alte Kontinent ist stolz auf sein duales System; allerdings fragt sich, auf welche Weise es künftig finanziert werden soll. Europas Öffentlich-Rechtliche haben ein Budget von circa 20 Milliarden Euro – am Markt ließen die sich nicht so leicht verdienen. Es ist anzunehmen, dass die nachrückende Generation wenig Verständnis für eine Rundfunksteuer hat. Wenn sich heute junge Leute zwecks Koma-Glotzen aus dem Web alle Folgen von „Breaking Bad“ herunterladen, würde ich mich wetten trauen, dass kaum ein Gratisnutzer sagen könnte, welcher Sender ursprünglich die Serie entwickelt und finanziert hat. Warum sie für Inhalte, die sie nie sehen, bezahlen sollten, ist nicht einleuchtend.

Bei der jüngsten 24. „Public Broadcasters International Conference“ hieß es, dass 2016 weltweit 173 Millionen TV-Geräte mit Internetanschluss verkauft werden. Angesichts eines wachsenden Bedarfs nach TV-Konsum auf Abruf ist klar, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen einem Schwellenjahr nähern.
Vermutlich bleibt den medialen ­Öffis nur die Offensive. Die BBC kündigten an, über ihre Plattform iPlayer 10.000 Stunden Programm (Archiv und neues Material) gegen Bezahlung anzubieten. Das Unternehmen bereitet sich auf eine Zeit vor, in der Hörer-/Sehergebühren den Status von freiwilligen Abgaben haben werden.

Mehr zum Thema „TV kontra Net“ im aktuellen HORIZONT-Blog „Walter’s Weekly“.

[Walter Braun]  
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