Warum Dr. Hochegger schnell in Pension gehen ...
 

Warum Dr. Hochegger schnell in Pension gehen sollte

Die österreichische PR-Branche ist um eine Geschichte reicher, die das Potenzial hat, eine der renommiertesten Agenturen in den Sumpf eines – möglicherweise tiefgehenden – Polit-Skandals zu ziehen.

Die österreichische PR-Branche ist um eine Geschichte reicher, die das Potenzial hat, eine der renommiertesten Agenturen in den Sumpf eines – möglicherweise tiefgehenden – Polit-Skandals zu ziehen. Und damit eine ganze Branche von schwer arbeitenden Menschen in den Ruf zu bringen, dass Abzockerei und Steuerdelikte ebenso zu ihrem Leistungskatalog gehören wie schwerste Strafhandlungen, als da wären: Untreue, Beihilfe zur Untreue, Amtsmissbrauch, Beihilfe (oder Bestimmung) zum Amtsmissbrauch bis hin zur handfesten Bestechung eines Ministers. Im Verurteilungsfalle Jahre über Jahre Gefängnis.

Bekannt geworden ist dies durch zwei Medienberichte: einer aus dem WirtschaftsBlatt und einer aus dem Wochenmagazin Format. Die Liste der handelnden Personen (aufgrund der österreichischen Gesetze und der daraus resultierenden absoluten Fairness des Rechtsstaates ist allen selbstverständlich die Unschuldsvermutung zuzugestehen) ist illuster und liest sich etwa wie die Gästeliste am Wiener Opernball. Der „Star-Lobbyist“ (Copyright Format) Peter Hochegger ist auf ihr ebenso zu finden wie Ex-Minister Karl-Heinz Grasser, Investmentbanker Karl-Heinz Muhr, Immobilienmakler Ernst Karl Plech und der mittlerweile im Visier des Staatsanwaltes befindliche, ehemals umschwärmte Zampano der Wiener Bankenszene, Karl Petrikovics (Immofinanz).

Der Vorwurf, den Format nahezu expressis verbis und unter Berufung auf Protokolle aus einem staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahren in den Raum stellt: Als die Immofinanz sich vor mehreren Jahren um die Wiener BUWOG (Tausende Wohnungen), die vom Finanzministerium (Minister Grasser) verkauft wurde, bewarb, hat sie den Zuschlag vor der CA-Immo erhalten. Mit einem lächerlichen Vorsprung von 1,3 Millionen Euro bei einem Deal-Wert von 960 Millionen Euro. Herr Hochegger behauptet, so Format, er habe Petrikovics „eine Information […] verschafft, die Match-entscheidend gewesen sei“. Jedenfalls aber kassierte er in der Folge 7 Millionen Euro und später von der der Immofinanz nicht eben fernen Constantia Privatbank noch einmal 3,5 Millionen Euro. Insgesamt also über 10 Millionen Euro. Sicherheitshalber auf das Konto einer ihm zuzurechnenden Firma auf Zypern.

Der Leser entnimmt aus der Geschichte, dass zum einen Petrikovics die Konkurrenz um Haaresbreite geschlagen hat. Zum anderen, dass Hochegger eine Deal-entscheidende Information geliefert habe, die eher nur im Finanzministerium bekannt gewesen sein kann. Und zum Dritten, dass Hochegger damals ein Super-Spezi von Minister Grasser gewesen sei. Ob die 10,5 Millionen von Hocheggers Zypern-Connection weiter verteilt wurden, wollen Hochegger und sein Anwalt nicht kommentieren, heißt es im Format süffisant. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Das hat die Branche wahrhaftig nicht notwendig. Nochmals: was wirklich passiert ist, werden die Gerichte entscheiden müssen. Dass es aber passieren kann, dass die Branche ins Gerede kommt, weil ein einziges Mitglied (Herr Hochegger) seine Geschäfte so strukturiert, dass diese ins Radar des öffentlichen Anklägers geraten, der wiederum – folgt man Format – auch noch den Verdacht hegt, dass Scheinrechnungen ausgestellt wurden, ist schon eine bemerkenswerte Leistung. Was sollen sich die Kunden der Agenturen denken? Was die anderen? Das ist bei Weitem keine unzulässige Verallgemeinerung, denn genauso, wie man bei Fehlleistungen einzelner Polizisten immer gerne von „der Polizei“ spricht, bei Malversation eines einzelnen Bankdirektors von „den Bankern“, bei Problemen eines einzelnen Politikers von „den Politikern“ und so weiter, wird man hier von „den PR-Leuten“ sprechen.

Darum hat Herr Hochegger es geschafft, eine gesamte Branche in Misskredit zu bringen. Das ist bei der derzeitigen Geschäftslage besonders bedauerlich. Herrn Hochegger sind in jedem Fall faire Verhandlungen zu wünschen, die hat er sich – wie jeder, der ins Visier von Gerichten und Behörden gerät – verdient. Der Branche ist zu wünschen, dass sich Herr Hochegger möglichst bald in den Ruhestand begibt und in Vergessenheit gerät. Das hat sie sich verdient.


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