Wahlfahrts-Kommando
 

Wahlfahrts-Kommando

Kommentar von Sebastian Loudon

Der Wahlkampf ist in der Zielgeraden, und es ist Zeit, eine kurze Bilanz zu ziehen.Was hat uns wirklich überrascht in diesen Wochen? Nein, hier geht es nicht um nackte Oberkörper oder den Ruf nach Todesstrafe für bekennende Berufskiller. Auch nicht darum, dass es für manche Politiker offenbar die schlimmste Vorstellung ist, jemand könnte ihnen unterstellen, Wahlplakate in türkischer Sprache in Auftrag zu geben.

Vielmehr geht es um eine mediale Innovation: Mit „Wahlfahrt“ legt der ORF die meist bejubelte Neueinführung in Sachen politisches Infotainment dieses Wahlkampfes vor. Hanno Settele am Volant seiner alten Mercedes-Limo, dazu ein jeweils perfekt passender Soundtrack von Iggy Pop („Passenger“) über Gossip („Heavy Cross“) bis Udo Jürgens („Ich war noch niemals in New York“), teils beängstigend authentische Szenen mit den Spitzenkandidaten, die ebenso Abgründe erblicken ließen, wie Sympathie für den harten Job eines Spitzenpolitikers aufkommen lassen.Dem ganzen Team hinter Settele, Elisabeth Totzauer, Elisabeth Gollackner, André Turnheim sei dazu gratuliert, ebenso den ORF-Verantwortlichen, diesem durchaus gewagten Experiment eine Chance zu geben.

Auch den Spitzenpolitikern am Beifahrersitz muss man in diesem Fall Respekt zollen. Ein Unterfangen mit unklarem Ausgang, bei Weitem nicht so berechenbar wie die tradierte Wahlkonfrontation und deutlich gefährlicher als Auftritte in der Comedy-Schiene von Ö3. Dass es dem ORF gelingt, anno 2013 eine politische Unterhaltungssendung on air gehen zu lassen, die nicht nur das Publikum, sondern auch die notorisch kritische Twitter-Community begeistert, ist wohl die schönste Überraschung in diesem Wahlkampf. Und sollte ihm Mut zu ähnlichen Sendungen machen!
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