Visual Storytelling - wo die Reise hingeht
 

Visual Storytelling - wo die Reise hingeht

Großartige Präsentation von Myrthu und Sigal auf der re:publica

Wir leben in einer Welt der Bilder. Und ihre Bedeutung steigt immer noch. Doch es hat im letzten Jahrzehnt eine Veränderung stattgefunden. Bilder, die um die Welt gehen, manchmal sogar die Welt verändern, kommen nicht länger von Dokumentarfotografen (und das sagt der Dokumentarfotograf auf der Bühne). Vielmehr kommen sie von Soldaten, Demonstranten, Studenten, oder anderen Bürgern.

Ermöglicht wird diese Veränderung durch die breite Verfügbarkeit der notwendigen Hilfsmittel. Kameras befinden sich in nahezu jedem Handy, viele davon in der Lage nicht nur in HD zu fotografieren sondern sogar in der selben Qualität zu filmen und Software zur Bildbearbeitung steht der breiten Masse zur Verfügung. Vor allem aber hat jeder die Möglichkeit zu veröffentlichen. Medien sind nicht länger die Gatekeeper zwischen den Produzenten von Inhalten und den Konsumenten der selben.

Doch selbst diese Rollenverteilung - Produzent und Konsument - ist im Umbruch

Das alte, lineare Modell Produzent - Medium - Konsument hat ausgedient. Die Rollen sind neu verteilt. So finden wir heute den Content im Zentrum, in seiner ursprünglichen Form produziert, um dann von Remixer weiterverarbeitet, von Kommentatoren bewertet und diskutiert, von Kuratoren in verschiedene Kontexte gestellt oder natürlich auch einfach nur von Zusehern konsumiert.

Als Beispiel für eine gelungene Nutzung dieser verschiedenen Rollen führen Myrthu und Sigal 18DaysInEgypt an. Eine Plattform auf der Bürger, die bei der Revolution live vor Ort waren ebenso eingebunden sind, wie Personen weltweit, die sich für die politische Lage in Ägypten interessieren.

Schluss mit rein - raus

Traditionelle Medien hatten eine kurze Aufmerksamkeitsspanne. Rein in eine Situation, berichten, raus und zur nächsten war und ist dort teilweise immer noch die Vorgehensweise. Folglich war auch die Lebensdauer von Geschichten kurz, mit klar definiertem Anfang und Ende.

Dieser lineare, kurzlebige Verlauf wird nun aufgebrochen. Die neuartigen Geschichten haben einen bleibenden Platz, vielfach sogar eine Vielzahl davon. Von ihrem Anfang weg bewegen sie sich in verschiedenen Ebenen weiter. Und werden über Monate oder Jahre weitergesponnen.

Bewegung weg von linear auch in Bewegtbild

Diese multidimensionale Entwicklung hört natürlich nicht bei statischen Bildern auf. Auch Filme erhalten verschiedene Ebenen. Sie werden interaktiv. Manchmal sogar soweit, dass der Zuseher die Handlung und damit den Verlauf und den Ausgang der Geschichte bestimmt.

Ein gelungenes Beispiel dafür ist "A Different Ending" - eine Anti-Waffen-Kampagne aus England in der der Zuseher in die Rolle des Hauptdarstellers schlüpft, aus dessen Perspektive er die Handlung selbst durchlebt und gestaltet.

Das Einzige was fehlt, ist die Story

Die Basis ist gelegt. Jeder hat die Möglichkeit Visual Storytelling zu betreiben, sich einzubringen und zu teilen. Produktion und Distribution sind zur Commodity geworden. Was vielen Projekten leider noch fehlt ist eine echte Story. Und auch die Community dafür zu finden. Denn allein, dass etwas auf einem Social Network gepostet ist bedeutet noch nicht, dass es auch von einer Community angenommen und weitergetragen wird.

Eine Hürde dafür ist derzeit noch die Technologie, denn Kreativität sehen die beiden Vortragenden als ausreichend vorhanden. Doch auch hier ist Hilfe auf dem Weg. Es entwickelt sich gerade eine neue Welle an Tools und Services, wie Zeega oder StoryPlanet, die es ermöglichen aus Inhalten eine Multi-Layer-Story zu "bauen". Mit StoryPlanet hat man beispielsweise die Möglichkeit Inhalte aus allen Quellen einzubinden, mit Apps zu kombinieren in Layers und Handlungsstränge zu verteilen und über verschiedene Medien zu veröffentlichen.

Storytelling ist eines der Trendthemen dieses Jahres. Mit den Beispielen und Kommentaren der beiden Experten war dieser Vortrag definitiv einer der spannendsten der letzten eineinhalb Tage und Myrthu hat mir versprochen ihn in den nächsten Tagen auf seinem Slideshare Account zu veröffentlichen.

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