Verlegene Verleger
 

Verlegene Verleger

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Jenseits des HORIZONT

Ratlosigkeit, als Verzweiflung kaschiert, Bedrohungsszenarien, Apokalypsen. Die klassischen Verleger sind recht kreativ in der Klaviatur ihrer Larmoyanzen. Von überall her sehen sie Gefährdung: Google nimmt ihnen die Exklusivität ihrer Meldungen weg, die sie selbst zumeist aus zweiter oder dritter Hand haben. (Friedrich von Hajek
nannte in seinem aggressivem Duktus so etwas als „Second Hand Dealing“), die öffentlich rechtlichen TV-Unternehmen gefährden Existenzen durch die News- und Doku-Apps. Und überhaupt: Das Google-Newsing zerstört jegliche Kultur des
kritischen Journalismus.

Selbsteinsicht ist bei den wenigsten vorhanden. Bei jenen vielleicht, die vor Jahren schon mutig auf Online und Kostendiversifizierung gesetzt haben und erkannten, dass Rezeptionsparadigmen sich ändern werden: Die Herrn Burda, Döpfner, Sulzberger, die mit ihren Medienhäusern gut dastehen, nach wie vor exzellente Qualität – neben grauenhaftem Boulevard – anbieten, wissen, was Marke heißt und wissen, was Content ist. Sie wissen auch, was Frames sind, in einem Zeitalter der dickichthaften Verwirrung.

Stattdessen betteln Verleger hierzulande und auch anderswo um staatliche Rettung, verdrängen ihre Identitäten, wenn es darum geht, sich um Insertionsaufträge der öffentlichen Hand zu matchen. Sie fordern dort Transparenz, wo sie lachhaft ist und zum Gegenteil ihrer selbst wird. Es führt zu noch besserem Tricksen, Umgehen
von Regeln, Finden von Ausnahmen. Wenn die Verleger in die eigene Produkte so viel an Fantasie und Kreativität investiert hätten, würden sie besser dastehen.

Von Qualität sollten sie nicht reden. Ein Blick in die sogenannten Magazine bestätigt: lauwarme Aufmacher, die es vor Wochen schon in anderen deutschsprachigen Magazinen gab, Investigativmedien, die permanent die alten Storys wiederkäuen (irgendwann werden auch die sogenannten „österreichischen Skandale“ fad) und seltsame Ignoranz allem gegenüber, was sich international an Bedeutsamem tut.


Das ist nicht mehr Provinz, das ist Nanoqualität, ausgeblasen durch künstliche Reichweiten und Tonnen von Papier, das in den Müllkübeln landet und dann zu Fernwärme verarbeitet wird. Damit den Mietern in den Wohnungen nicht kalt ist.
Eines stimmt: Im Recyclen waren die Österreicher immer schon gut.

Verleger, wacht auf. Irgendwann werden auch die – noch treuen Abonnenten – nicht mehr da sein. Gegen Demografie ist kein Kraut gewachsen. Neue Kunden gewinnt man nicht mit Gadgets oder Gratisdistribution. Sondern mit Fantasie und Kreativität.
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