Unendliche Dummheit
 

Unendliche Dummheit

Kommentar von Rainer Seebacher

Die EU-Kommission hat dieser Tage mitgeteilt, dass bereits fast die Hälfte aller EU-Bürger im Jahr 2011 mit irreführender Werbung konfrontiert worden ist. Mit irreführender Werbung meint die EU-Kommission übrigens unseriöse oder betrügerische Angebote. E-Mails von der National Lottery mit dem Betre „Offzielle Ankundigung Gewinner“ fallen etwa hier darunter. Doch auch Flugblätter, die unsaubere Angebote enthalten, sind damit gemeint.

Die Anzahl der von böser Werbung Betroffenen hat sich gegenüber dem Jahr 2010 übrigens erhöht, wie die EU-Kommission weiters wissen lässt – um vier Prozent. Und: Knapp ein Fünftel der Verbraucher, die solche Werbung gelesen haben, ist auch darauf reingefallen. Dumpfbacken – möchte man meinen. Denn wer nimmt schon ernst, dass ein internationaler Konzern in schlechtem Englisch verspricht, 100 Dollar pro Stunde – ja wofür eigentlich? – zu bezahlen?

Allerdings hat Albert Einstein einmal gemeint: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ Über die Dummheit anderer ärgert man sich nur manchmal – vielfach ist sie auch unterhaltsam. Gegenüber der eigenen Dummheit hegt man hingegen immer einen Groll. Und sehr oft ist man selber dumm – wenn man etwa auf ganz normale, legale, alltägliche Werbung hereinfällt.

Beispiele gibt’s dafür genug: Da macht sich eine Dose mit Isogetränkpulver im Regal groß und wirbt damit schon rein optisch mit viel Inhalt. Und wenn man das Ding öffnet, ist sie nur zur Hälfte gefüllt. Oder ein Beschreibungstext im App-Store preist ein Navigationsprogramm für Mountainbiker an, das alle Stückerl und noch ein paar mehr spielt. Wenn der User dann im Wald von dieser App nur den eigenen Standort wissen will, dann gibt dieses w. o., weil es dazu eine Internet-Verbindung braucht. Und in Einöd ob St. Nimmerlein gibt’s die halt selten. Die Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen – und jeder von Ihnen kennt Hunderte davon.

Nur eine Frage: Was denkt sich da eigentlich der Hersteller, der Marketer oder der Werber dabei? Kichern die heimlich im Winkerl ob der Dummheit der Konsumenten? Um bei Einstein zu bleiben: Mag die Dummheit und das Weltall unendlich sein, die Geduld der Konsumenten ist es nicht. Und es gibt immer Alternativen – sei es auch Opas Kompass, der ganz ohne Internet funktioniert.
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