Über eine Disqualifikation
 

Über eine Disqualifikation

Kommentar von Herwig Stindl

Es geht um viel, es geht um den Gewinn des Pitches, um eine herrliche Reise und eine weitere Option für wirklichen Ruhm und Ehre. Die Jury, kaserniert seit Stunden, sieht ein Sujet nach dem anderen durch, denn das Briefing sieht vor: Löse die Aufgabe mit einem Printsujet! Es sind an die 30 Vorlagen, die aufleuchten; die Juroren, so wird es später zu vernehmen sein, sind mehr oder weniger "interessiert". Einmal geht ein Raunen, manche wollen Gelächter gehört haben, durch die Reihen; der - mittlerweile auch der Österreich-Niederlassung seit Jahresbeginn vorstehende - Neo-Agenturchef aus der Schweiz bleibt auch da unbeteiligt, es wird sich später herausstellen: weil er die Person nicht kannte. Aber er wird die entscheidende Frage stellen, als der Juryentscheid vorliegt, der das eine Sujet, das belachte, den "Aha"-Bringer, als "Winner" reiht.

Das Ganze findet nicht auf neutralem Boden statt. Großzügig wurden Räumlichkeiten von einem Dritten zur Verfügung gestellt, nicht am eigentlichen Ziel der Veranstaltung beteiligt, aber als Impresario und Unterstützer rührig bemüht. Seitens der Vertreter dieses Impresarios bricht Hektik aus - das "Winner"-Sujet kolportiert eine Persönlichkeit, die rund um den Jahreswechsel im Zusammenhang mit dem Unternehmen die winterliche Nachrichtenöde unfreiwillig mehr als nur auffüllte (und veritable Sittenbilder weit in das politische und mediale Österreich hinein blitzartig erhellte). Wer ist denn das? Fragt der Neuzugang aus der Schweiz und lässt sich die "Story" erklären. So, so, aha, und heute? Bei einer Werbe- und Marketingagentur. Der Schweizer und dann die Juroren fragen: Wie sieht denn das aus mit den Rechten? Hat der Kollege zugestimmt? (Schon bei den Fragestellungen fallen den Veranstaltern die ersten Steine von der gequälten Seele, ein Siegersujet mit "ihm", oh my god!).

Die beiden Kreativen, die das Sujet entwickelt haben, werden herbeizitiert: Nice idea, but: Habt ihr die Rechte? Hektik jetzt beim Duo, das nach kurzem Hin und Her vermeldet: Yes! (Aber auf Nachfrage einräumen muss: die des Fotografen ...). Aber immerhin, das Duo ist fürwahr dynamisch, denn das "Model" sitzt in derselben Agentur: Anklopfen, fragen. Niko Pelinka sagt Nein - seit seinem lauten Verzicht auf die Büroleitung von ORF-Wrabetz ist er keine "Persönlichkeit öffentlichen Interesses" mehr (das könnte das Werber-Schlupfloch sein). Aber: N. P. ist nunmehr Privatmann, Angestellter bei der Lowe GGK. Sujet daher disqualifiziert. Worum ging's denn nun eigentlich?

Die Situation: Young-Lions-Ausscheidung für Cannes, siehe auch Seite 13. Print-Briefing: Werbung für das "Gründerservice" der Wirtschaftskammer. Die Lösung des GGK-Youngster-Duos: Niko Pelinkas Konterfei, Copy: "Für alle, die keinen Papa haben." Am 25. Mai lädt die ORF-Enterprise zum Gedankenaustausch ins Kulturcafé im RadioKulturhaus in der Argentinierstraße: Da wollen die tapferen Cannes-Repräsentanten aus der ORF-Enterprise mit irritierten Young Lions und wie immer gnadenlos geifernden etat.at-"Postern" zumindest diskutieren, was eigentlich Sache ist (und Werber-Einmaleins sein sollte): Wenn du ein Testimonial brauchst, frag es vorher!

Nachtrag bzw. Erratum zur gedruckten Ausgabe und Obenstehendem: In der Kommentierung zu einem Juryentscheid bei den Young Lions ist eine falsche Zuordnung vermittelt worden: Der angeführte Nikolaus Pelinka ist Managing Director in der Kobza Media Gruppe und nicht, wie fälschlich der Anschein erweckt wurde, der Lowe GGK (in der Rudi Kobza CEO ist und Anteile hält). In HORIZONT 10-2012 "Niko Pelinka ist Kobzas neuer Mann" wurde korrekt zugeordnet. Autor hs sagt "sorry".
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