Üben für den Staatsanwalt
 

Üben für den Staatsanwalt

Kommentar von Clemens Coudenhove

Krisen-PR scheint eines jener Geschäftsfelder von PR-Agenturen zu sein, die in den letzten paar Jahren verstärkt nachgefragt worden sind. Und dass Litigation PR bei Rechtsstreitigkeiten und/oder das so genannte Reputation Management so unwichtig nicht sind, wird dann offensichtlich, wenn die interessierte Öffentlichkeit in Gestalt der Medien durchaus kritisch und – im Idealfall – fair nachfragt. Und dann keine Antwort bekommt. Außer die bekannten Worthülsen wie „Kein Kommentar“, „Das wird sich weisen“, „Das wird die Zukunft zeigen“ oder gar „Wir sind gerade dabei, ein Maßnahmenpaket zu schnüren, damit so etwas nicht mehr vorkommt“.

In einem Newsletter kündigt die Agentur bettertogether ihren ehemaligen und aktuellen Kunden Folgendes an: „Wir haben in letzter Zeit einige Unternehmen auf mögliche staatsanwältliche Hausdurchsuchungen vorbereitet. Die kommen nämlich unangekündigt ins Haus. Wie man damit umgeht, können Sie von uns und mit uns lernen. Wir spielen das bei Ihnen durch, filmen es mit und analysieren im Anschluss das Verhalten Ihres Unternehmens. Die Learnings sind gewaltig! Man muss ja nicht jeden Fehler selbst machen.“

Irgendwie würde mich dieses Seminar mit den in Aussicht gestellten „gewaltigen Learnings“ schon interessieren. Obwohl die Chancen (Pardon: die Risiken), beschriebene „gewaltige Learnings“ in genau der Situation dann „umzusetzen“, für die sie konzipiert wurden, gegen null gehen. Vor allem frage ich mich, wer diese Learnings und Fehler tatsächlich gemacht hat und was er oder sie nun daraus gelernt hat. Außer vielleicht „Ich sage nichts ohne meinen Anwalt“, wie wir das aus zahlreichen Fernseh-Krimis kennen. Selbstverständlich wird die Agentur (für das Seminar sind keine Termine anberaumt, naturgemäß gilt „auf Anfrage“) höchste Diskretion für die Teilnehmer garantieren und diese wahrscheinlich nur einzeln auf den hohen Besuch der Staatsanwaltschaft vor- bereiten. Oder auf eine Vorladung bei einem Untersuchungsausschuss? Richtig Erfahrung mit dem hohen Besuch der Staatsanwälte hätten wahrscheinlich genau jene Personen, die wir schon so gut zu kennen glauben und die seit Monaten von den Titelblättern unserer (Aufdecker-) Magazine lächeln. Ob sich die Agentur einige dieser staatsanwaltschaftsbesuchserfahrenen Leute leisten kann?
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