Too small to win?
 

Too small to win?

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Jenseits des HORIZONT

Schweden zählt wie Dänemark zu den erfolgreichsten Exporteuren von Fiction: Kleine Länder, noch dazu mit Sprachen mit geringer Verbreitung, setzten zuletzt Maßstäbe für innovative TV-Formate: Krimis, satirische Serien. Israel ist seit Jahrzehnten – weitestgehend unbeachtet in Massenmedien – on top bei IT-Applikationen und Web-4.0-Entwicklungen. Aus Israel kommen Start-ups, die von Giganten um Milliardenbeträge erworben werden. Israel stellt die meisten Nobelpreisträger in technischen und medizinischen Fächern, gemessen an der Einwohnerzahl.

Alle drei Länder haben weniger oder annähernd so viele Einwohner wie ­Österreich; Schweden und Dänemark sind auch in der Sozialstruktur mit ­Österreich zu vergleichen.

Aus Österreich kam seit Jahrzehnten kein Nobelpreisträger, sieht man von ­Literaten ab. Im internationalen Forschungsranking landen die Universi­täten seit Jahrzehnten nicht mehr unter den Top 100. ISTA, eine der wenigen mutigen Neugründungen, die es in ­Österreich zuletzt gab, wird in der ­Öffentlichkeit kaum wahrgenommen.

Mittlerweile sind wir in der Breitbandversorgung ans untere Ende der OECD-Skala abgerutscht. In Österreich wurde monatelang darum gestritten, ob man eine Milliarde in den Breitband­ausbau investiert. Sicher ist noch immer nichts. Dafür haben wir – noch – die niedrigsten Mobilfunktarife Europas: billig auf Kosten von Netzschwächen.

Der ORF war, bis vor wenigen Jahren, erfolgreichster Exporteur von Wissenschaftsdokumentationen. „Universum“ ist nach wie vor Trademark. Nun ist fast nichts mehr. Man muss ja sparen oder scheinbar Sperriges ausscheiden. (Dabei hat „Universum“ stets Topquoten.)

In manchen Nischen ist Österreich noch – geheimer – Champion: Unser Land ist zu klein, um diese Unternehmen öffentlich zu schätzen. Zu loben. Weil unsere Medien auch zu klein sind – in ihren Qualitätsansprüchen.
Österreichs Universitäten fordern seit Jahren – ohnehin bescheiden – mehr Geld für Forschung. Jedes Jahr wird ­versprochen. Jedes Jahr wird gebrochen, sodass scheinbare Budgeterhöhungen gerade einmal die steigenden Personalkosten abdecken.

Statt Forschungsnachwuchs und Elite nach Österreich zu holen – immerhin hätten wir Soft Advantages wie Landschaft, kulturelle Vielfalt, sozialen Frieden, angenehmes Lebensumfeld –, gibt es seit Jahren einen unfassbaren Brain Drain. Etwa ein Drittel der Top­absolventen von technisch-naturwissenschaftlichen Universitäten verlässt Österreich. Nur wenige kehren zurück.

Sind wir wirklich so klein? Oder ge­fallen wir uns darin?
Mitschwimmen und auf Assets im Fremdenverkehr zu setzen, ist mittelfristig zwar angenehm und idyllisch. Das Aufwachen aus dem Schlaf der Selbstgerechtigkeit wird aber brutal sein.
Über den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Österreich und Innovationscluster zu reden, ist das eine. Es umzusetzen, erfordert Mut und eine Politik, die gegen den Mainstream agiert, Visionen entwickelt, europäisch und nicht an die Klientel in der Provinz denkt.
Mehr als 900.000 Österreicher sind primäre oder sekundäre Analphabeten. Die gedruckte Auflage unserer Gratismedien beträgt täglich über eine Million Exemplare.

Mind MINT.

[Jenseits des HORIZONT]
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