Suche nach dem DeLorean
 

Suche nach dem DeLorean

Leserbrief von Dieter Rappold. Betrifft: HORIZONT 14/2014, Seite 6, ‚NÖM setzt vermehrt auf Offline‘

Es war 1985, als ein verwirrter Professor erklärte, mithilfe des Fluxkompensators könne er in der Vergangenheit die Zukunft verändern – oder so. Ähnlich verworren sind die Aussagen von Erik Hofstädter, Marketingchef bei NÖM, im Interview mit dem Horizont (14/2014, hier kann man das Interview online nachlesen).

Herr Hofstädter berichtet „von hohen Online-Spendings in den letzten Jahren – allerdings ohne messbaren Erfolg“. Diese Beobachtung brachte ihn zur ­mutigen Entscheidung, Online fast gänzlich aus dem Marketingmix zu streichen. Ein Beispiel für die Irrwege durch falsch verstandene Kausalität.

Ich lese weiters, dass nach wie vor Banner der wichtigste Baustein von Onlinewerbung sind und Content Marketing nur für Red Bull funktioniert. Schlussendlich werde ich darüber aufgeklärt, dass der Konsument online „andere Bedürfnisse hat“. Diese mystische Behauptung wird, vor allem in Abgrenzung zu klassischen Medien, natürlich nicht aufgelöst. Im Kapitel Social Media wird es hanebüchen. Das Hauptpro­blem in Social Media ist es, dass man für Reichweite nun vermehrt bezahlen soll – im TV ist diese Reichweite ja gratis, oder? Er offenbart sich: „Der Werbekunde hat seine Spendings bereits lange im Voraus eingeplant, ehe Facebook wieder eine Riesenänderung vornimmt …“ Erstarrung als Antwort auf steigende Veränderungsgeschwindigkeit? Im Übrigen sind eh nur die jungen Menschen in Österreich im Internetz. #Nawt.

Auf die Frage „Wie misst man Erfolg im Online- und Social-Bereich überhaupt?“ wird’s kurios. Die „Engagement­rate“ wird verglichen mit Menschen, die während des TV-Spots was zum Trinken holen? Also konkret wird messbare Interaktion von Content im Web mit nicht messbarer Passivität eines TV-Zuschauers verglichen? Mir fehlen die Worte. Doch vielleicht wurde gerade in diesem Dorf voller unbeugsamer Onlineverweigerer ein Zaubertrank entdeckt, der den P&Gs und Mondelez dieser Welt entgangen ist? Diese Verrückten investierten 2013 doch tatsächlich 25 Prozent ihrer Marketingbudgets digital. Bestimmt ohne Erfolgsnachweis. Aber das liegt sicher an den Amerikanern – die sind im Gegensatz zu den Österreichern ja im Internetz.

Dieter Rappold ist Geschäftsführer der Agentur vi knallgrau.
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