Skandal! ,Deutsche‘ kapern ,Griaß di‘
 

Skandal! ,Deutsche‘ kapern ,Griaß di‘

Glosse von Sebastian Loudon

Und schon wieder so ein Sommeraufreger! „Ich find’ des a Frechheit, dass a deitsche Firma am Tiroler des ,Griaß di‘ weganimmt“, sagt der Ötztaler Philipp Reindl der ORF-Sendung „Report“. Der Werber aus dem heiligen Land im Westen verkauft nebenberuflich bedruckte T-Shirts über das Internet, unter anderem mit dem Aufdruck „Griaß di“.

Er wurde nun abgemahnt und aufgefordert, innert einer „Frischt“ das entsprechende T-Shirt nicht mehr anzubieten – die ORF-Sendung „konkret“ berichtete, und schon war ein herrliches Sommerthema geboren. Tenor: Diese bösen, gierigen Deutschen, jetzt nehmen sie den Tirolern auch noch das liebste Grußwort.

Ganz konkret ist das der Online-Shop „blaues gelb“, der den Markennamen über den Umweg des „Harmonisierungsamtes für den Binnenmarkt“ mit Sitz im spanischen Alicante hat schützen lassen – für 900 Euro. Dabei: Eine Grußformel kann niemals patentrechtlich geschützt werden, sind sich Experten einig, eine Nichtigkeitsbeschwerde habe daher gute Chancen.

Unabhängig von der Rechtslage erzählt diese Episode viel über Europa und seine – in diesem Fall unsere – Medien. Einhelliger Tenor in den heimischen Gazetten und Webforen: Was für ein Skandal – die Deutschen wollen uns das „Griaß di“ wegnehmen. Dass die Firma, die sich die Mühe gemacht hat, diesen Namen zu schützen, im süddeutschen Allgäu sitzt, wo diese Grußformel ebenso praktiziert wird, steht natürlich nirgends. Europa der Regionen? Von wegen! Europa der kleinkarierten nationalstaatlichen Reflexe? Schon eher.
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