Schwarzer Tag für die Styria
 

Schwarzer Tag für die Styria

#

Editorial von Dagmar Lang.

Wenige Monate nach dem Tod Hans Dichands hat das zweitgrößte Verlagsunternehmen seine Gallionsfigur verloren. Nach monatelangem Tauziehen um verschiedenste Themen zwischen Aufsichtsrat und Vorstandsvorsitzendem hat Horst Pirker die Konsequenzen gezogen und das Handtuch geworfen.

Der abrupte Abgang hinterlässt bei seinen treuen Führungskräften ähnliche Emotionen, als wäre er plötzlich verstorben. Tieftraurig, schwer geschockt – das waren so die ersten Reaktionen jener, die Pirker beim Umbau der Styria konsequent an den Schalthebeln der Medienmacht etabliert hatte. Sie haben in der Tat nicht nur ihren Chef, der ihnen dem Eigentümer gegenüber den Rücken freihielt, verloren, sondern auch einen besonderen Visionär.

Horst Pirker hat sich mit der Zukunft der Printmedienin einer digitalen Welt schon zu einer Zeit beschäftigt, als andere Verleger noch stolz darauf waren, eine SMS ohne die Hilfe ihrer Assistentin beantworten zu können. In seinem Streben nach Größe und Internationalität hatte er manch glückliche und manch unglückliche Hand, wenn man etwa an die Fülle der Magazine denkt, die er im Laufe der Jahre zusammengekauft hat. Doch er hinterlässt seinen Nachfolgern das beste betriebswirtschaftliche Ergebnis in der Geschichte der Styria, und das ist bei den volatilen Rahmenbedingungen, die das Jahr in der Medienlandschaft noch geprägt haben, eine reife Leistung. Dem Vernehmen nach soll die "Presse" wieder schwarze Zahlen schreiben und das "WirtschaftsBlatt" kurz davor sein; doch offensichtlich waren den Eigentümern andere Werte wichtiger.

Horst Pirker hat die Styria geführt wie sein eigenes Unternehmen. Das ist in internationalen Konzernen schon lange nicht mehr gefragt und hierzulande immer weniger. Man braucht kein Prophet zu sein, um davon ausgehen zu können, dass die Styria-Eigentümer für Pirker keinen charismatischen Nachfolger suchen werden, sondern mit der schnell getroffenen Lösung der Übernahme der Pirker-Agenden durch die beiden anderen Vorstände Wolfgang Bretschko und Klaus Schweighofer das Auslangen finden werden.

„Die Styria geht den Weg der Mediaprint“, kommentiert ein Insider treffsicher. Wobei die Kirche an sich schon kein guter Medieneigentümer ist, da sie dazu neigt, Tradiertes zu bewahren, während Verlagshäuser jetzt gut beraten sind, Veränderungen so rasch wie möglich herbeizuführen. Dass die Styria heute so dasteht, ist allein Horst Pirkers Verdienst, der sich in vielen Fragen lange Jahre gegenüber dem Eigentümer durchgesetzt hat. So wie in einer Ehe ist nie einer allein schuld, wenn die Beziehung zerbricht. Wahrscheinlich hat Pirker seinen Aufsichtsrat in einigen Fragen einfach überfordert.

Um ihn selbst muss man sich mit Sicherheit keine Sorgen machen. Für Führungskräfte seines Kalibers gibt es im deutschsprachigen Raum noch eine Fülle an interessanten Jobs. Der Tag, an dem er beschlossen hat, für dieses Unternehmen nicht mehr tätig sein zu wollen, war ein schwarzer für die Styria und in weiterer Konsequenz vielleicht auch einer für die heimische Medienszene.

Mag. Dagmar Lang, MBA
stats