Schwäche, Mut und Innovationen
 

Schwäche, Mut und Innovationen

Gastkommentar von Franz Prenner

Eines hat die Podiumsdiskussion im Rahmen der Medientage, an der ich leider nicht teilnehmen konnte, gezeigt: Es herrscht anscheinend breite Einigkeit darüber, dass die Agenturprovision ein Relikt aus grauer Vorzeit ist! Ich freue mich, dass die am Podium vertretenen Experten meine Meinung zur Abschaffung der Agenturprovision im Großen und Ganzen teilen. Schade aber, dass anscheinend nicht alle gemeinsam nach „A“ auch „B“ sagen wollen. Wir haben im heurigen Jahr durch die Abschaffung der Cash-Rabatt-Staffel den ersten Schritt zum Nettopreissystem gemacht, im zweiten Schritt sollte die Abschaffung der Agenturprovision folgen. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass es wichtig ist, diesen Schritt zu tun und dem österreichischen Markt dabei zu helfen, endlich ein transparentes und leistungsorientiertes Entlohnungssystem im Agentur-Kunden-Medien-Gefüge zu etablieren. Auch wenn unsere momentanen Prioritäten aus gegebenem Anlass bei ORF III und Sportplus liegen, wird das Thema nicht von unserer Agenda verschwinden.

Gleichzeitig hat uns das heurige Jahr aber leider gezeigt, dass der österreichische Markt für diesen Schritt anscheinend noch nicht bereit ist. Wir sind momentan in die Lage geraten, der Feind unseres eigenen Erfolges zu sein, da wir etwas vorantreiben möchten, mehr Transparenz und Leistungs- und Kostenwahrheit für die Kunden ermöglichen wollen. So mussten wir nahezu monatlich in diversen Publikationen nachlesen, dass unsere Werbeeinnahmen dramatisch gesunken seien. Tatsache ist jedoch, dass die von Focus erhobenen Bruttowerbespendings die besondere Situation unseres Nettopreissystems nicht abbilden können und dass unsere Nettowerbeeinahmen über jenen des Vorjahres liegen. Es kann niemand von mir verlangen, dass ich eine weitere Benachteiligung bei der Erhebung der Bruttowerbespendings in Kauf nehme, um jenen Schritt – allein auf weiter Flur – zu setzen, den eigentlich alle Marktbegleiter gemeinsam setzen müssten, um den Werbemarkt anzukurbeln. Weiters möchte ich festhalten, dass gerade der ORF immer im Kreuzfeuer der Kritik ist, was seine angeblich zu hohen Tarife betrifft. Denn die Abschaffung der Agenturprovisionent spräche einer Preissenkung um 15 Prozent, die wiederum die Einstiegsschwelle für Werbung reduziert und den gesamten Markt beleben würde.

„Wurscht“ alleine ist eben zu wenig, es müssen auch Taten folgen! Als Vermarkter des ORF nehmen wir dabei für uns in Anspruch, nicht auf die vielen kleinen Agenturen zu vergessen. Auch für diese „Kleinen“, die mehrheitlich von der Agenturprovision abhängig sind, muss eine gemeinschaftliche Lösung gefunden werden. Aber eben nicht nur von einem Marktteilnehmer, sondern vom gesamten Markt. Wo doch die Vorteile für die einzelnen Gruppen klar auf der Hand liegen, wie zum Beispiel ein leistungsorientiertes – nicht volumenbasierendes– Entlohnungssystem, in dem die einzelnen Player am Markt für die erbrachte Leistung jeweils vom Leistungsempfänger bezahlt werden.Das beinhaltet eine große Chance zur Veränderung für uns alle, wir müssen sie nur nutzen!

Abschließend noch eine Anmerkung in eigener Sache: Es tut mir sehr Leid, dass ich nicht zu der Podiumsdiskussion kommen konnte, allerdings ist das weder ein Zeichen von „Schwäche“, noch ist es „peinlich“ und schon gar nicht dem ORF zum Vorwurf zu machen. Als Geschäftsführer behalte ich es mir vor, mit einigen Themen persönlich – und nur ich – in den „Krieg“ zu ziehen. Deswegen lasse ich dabei auch niemand anderen zum Handkuss kommen. Ich finde es schade, und es wird dem Anspruch der Sache und auch allen zweifelsohne hochqualifizierten Mitdiskutanten nicht gerecht, mein persönliches Fehlen vor die Sache zu stellen.

Franz Prenner, Geschäftsführer der ORF-Enterprise
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