Schon entdeckt?
 
#

Glosse von Herwig Stindl

Seit 8. Jänner heißt ORF 1 ORF eins. Zur Einstimmung dazu ein Begriffs-Rap:

„optische Einbettung“, „vertikaler Navigationsbalken“, „Refreshment“, „Design-Package“, „Farbgebung“, „ORF-1-Arbeitsgruppe“, „On-air-Refreshment“ und „moderne, weltoffene, neugierige Zuseherinnen und Zuseher, die mitten im Leben stehen, das internationale Fenster zur modernen Welt sein, zugleich aber noch mehr ‚Österreich‘ in seinen Programmen abbilden und eine positive Lebenshaltung vermitteln“ (das sagt der avisierte ORF-Kommunikationschef Martin Biedermann), „differenziertere Positionierung“,„neue Brand Strategy“, „Verzicht auf das, ORF-Auge‘“, „zeitgemäßer, frischer, kreativer, österreichischer und zielgruppenadäquater“; schließlich: „urbane, internationale Auffassung, aber trotzdem Stärkung der österreichischen Komponente“ (das sagt ORF-Art-Director Michael Hajek).

„ORF 1 sahen 2010 im Tagesschnitt 2,228 Millionen Menschen bei 14,6 Prozent KaSat-Marktanteil“ bilanziert die APA. 2009 waren es 15,2 Prozent (ab 12 Jahren). Zum Vergleich: „ORF 2 erreichte 2,762 Millionen bei 21,9 Prozent KaSat-Marktanteil“ (2009: 24,0). Der „stärkste“ Privatsender 2010 ist Sat.1 mit 6,8 Prozent, knapp vor RTL. Der beachtliche Durchschnitts-Tagesmarktanteil von ORF 1 (nunmehr ORF eins) basiert auf dem Sportpaket – also Fußball national und international, Wintersport und Formel 1. Der „Rest“ ist – vor allem – RTL. (Da fügt es sich gut, dass Art Director Hajek die letzten elf Berufsjahre in der RTLGroup zugebracht hat).

Stichwort Sport: „Das neue Corner-Logo ist zudem nicht mehr im rechten oberen Eck des TV-Schirms platziert, sondern links oben.“ Warum das denn? Sport-Bild-Rechtevermarkter wie FIFA und UEFA platzieren ihre Logos ebenda …Stichwort RTL, O-Ton AD Hajek: „Ziel des Refreshments ist es, den Audience Flow zu verbessern und durch eine stärkere Personalisierung und Identifikation mit der Marke mehr Nähe zum Publikum herzustellen“.

Endlich. Das Zauberwort Audience Flow. Das hat aber mit Inhalt, nix mit Verpackung zu tun. Dem ORF ist zu wünschen, dass er das neue Kleid mit Körper füllen kann. Denn die „Audience“ flieht ORF 1 – pardon: ORF eins – wegen programmlicher, nicht formaler Verwechselbarkeit.
stats