Sand
 

Sand

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Jenseits des HORIZONT

Zuerst wenden sich die Wähler ab. Dann gehen die Zukunftshoffnungen. Die jungen Mandatare, ob sie nun Laura Rudas, Josef Moitzi, Christiane Edlinger-Ploder heißen oder Hannes Rauch. Sie wollen studieren oder in die Privatwirtschaft. Rückkehr in die Partei ausgeschlossen.

Die etablierten Parteien verlieren ihre künftigen Gestalter, vielleicht weil sie zu kritisch sind oder sie die Agonie und das Rückwärtsgewandtsein nicht mehr ertragen, weil sie spüren, dass ­alles erodiert. Zusammenfällt wie ein tönerner Koloss. Nicht einmal Scherben, nur zerbröselnder Sand.

Was Angst macht, ist das Schweigen, das Wegducken, das sichtbar entäußerte Verdrängen der Herrschenden. Wahrheit ist nicht mehr zumutbar. Ehrlichkeit schon lange nicht. Visionen auch nicht.

Die Herrschenden klammern sich an den Mythos der Unersetzbarkeit und rufen den ewigen Jungbrunnen als Zeugschaft, verweisen auf den Ruf der Partei, den nur Eingeweihte und Echolotbegabte hören.

Sie entfernen sich von Wirklich­keiten, die nichts mit den virtuellen ­Sekundärwelten der nativen Web-Community-Mitglieder zu tun haben. Es sind Sekundärwelten des psychisch Unheimlichen, würde Freud sagen. ­Abschaltungen vor der Realität.

Auf der anderen Seite scharen rechte Populisten die Verzweifelten, Dummen, Verärgerten, Abstiegsverängs­tigten um sich. Sie müssen gar nicht viel tun. Vor dem Sturm. Nicht auf die Bastille. Auf die demokratischen Strukturen.
Die, die die Stimmen dagegen erheben wollten, werden nicht gehört. Die intellektuellen Störenfriede, die läs­tigen Künstler, die unzufriedenen ­Jungen, die Emigrierten. Mund- und Medienverbot. Jura Soyfer, früh gestorben, hat als Mittzwanziger „So starb eine Partei“ geschrieben.

Die herrschenden Regierungsparteien gehen nicht mehr unter. Zu leicht sind sie dafür. Sie lösen sich bald einfach auf. Nur das Korsett der geborgten Macht hält sie noch aufrecht. Und der selbstverliebte Glaube der Bosse an ihr Gutsein.
Skandale sind lächerliche Kleinigkeiten, Ausreden sind geläufige Tagesroutine, kleine Geschenke für das Wahlvolk, von den Zahnspangen bis zu ein paar Euro Familienförderung mehr, sollen den Plebs zufrieden stellen, ein paar Volksbefragungen als Manifeste der Wahlfreiheit der Unmündigen.
Die Opposition versammelt Kleingeister, delektiert sich am amateur­haften Detektivsein und ist verliebt in Verbote. Betreibt vorsorglichen Sicherheitspaternalismus. Schutz vor Selbstständigwerden.
Kritisches Denken – woanders bitte. Die Jungen gehen.

Dämmerung.

[Jenseits des HORIZONT]
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