Repair – sind wir noch zu retten?
 

Repair – sind wir noch zu retten?

Kommentar - Teil 2 zur Ars Electronica.

„Repair, rethink, reinvent“ ist Credo und Gegenströmung in einer Zeit, die von Klimakrisen, Katastrophen und Finanzcrashs geprägt ist. Schräg empfinde ich anfangs den Tribut, der einer zumindest im Ausland mittlerweile sterbenden Spezies gezollt wird: dem Plastiksackerl, das als Symbol der Konsumgesellschaft in den 50er- und 60er-Jahren galt. In mehr als 20 Ländern ist dessen Gebrauch mittlerweile strengen Regeln unterworfen. In San Francisco und Los Angeles herrscht ein rigoroses Plastiksackerlverbot, so auch interessanterweise im gesamten Staat Papua-Neuguinea und in Bangladesh.

Und wer beim Verwenden von Kunststofftaschen in Sansibar ertappt wird, wandert zum Nachdenken über die Umweltsünde sogar in den Knast. Und du, felix Austria, wo stehst du in der Plastiksackerl-Debatte? Ach ja, von uns kommt zum Thema Plastiksackerl als Kulturdenkmal der filmische Beitrag „Plastic Planet“ von Werner Boote. Und sonst? Wo ist der Hausverstand, der uns Tragtaschen bietet, die uns keine Zusatzstoffe bescheren, die unser Hormonsystem schädigen und bis zu 500 Jahren im Boden und unseren Gewässern dümpeln. Das ist eine subtile Ansage an Rewe und Spar.

Erstaunlich: Ein Künstlerkollektiv unter der Leitung des oberösterreichischen Künstlers Hubert Lepka erzählt die Geschichte eines unterirdischen Magnetzuges, der im Vakuumtunnel mit 1.200 km/h unterwegs ist. Wie in der U-Bahn, in einigen Minuten von Wien nach London unterwegs sein. Wow. Das wärs, seufze ich und starre gebannt auf eine Lokomotive, die plötzlich das Donauufer entlangfährt. Und als der Hubschrauber Feuerwerkskörper spuckt und die Lokomotive vom Kranunternehmer Prangl durch die Luft gefegt wird, wird sogar mein Eventkumpel Hannes ganz blaß. „A Wahnsinn. Des muass a Vermögen gekostet ham“, höre ich ihn leise sagen.

Und dann, mit einem Laser- und Feuerwerksspektakel, ist diese Geschichte zu Ende, die bei vielen ganz glasige Augen hinterlässt. Und den ÖBB und Siemens als Sponsoren, das ist bei dieser grandios (teuren) Show zu hoffen, ein grandioses Image einbringt. Gestern bin ich in Shanghai angekommen und mit 430 Stundenkilometern in Richtung Shanghai City gerast. Morgen sitze ich im Zug von Linz nach Prag, der diese Strecke in nur 14 Minuten bewältigt. Zukunft, ich komme! (hoffentlich ist die ÖBB dann noch hoch im (Innovations)-Kurs und nicht bereits im Konkurs.)

Daniela Krautsack, cowsinjackets.com (Teil 1 von der Ars Electronica lesen Sie hier)
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