Quoten? Vorsicht!
 

Quoten? Vorsicht!

Glosse von Doris Raßhofer

Es ist gerade einmal 40 Jahre her, da brauchte Frau Österreicherin noch eine Genehmigung vom Mann, dass sie überhaupt arbeiten gehen darf. Heute will Frau nicht nur arbeiten, sie will Kinder kriegen, Karriere machen und trotzdem in Karenz gehen und das Gleiche wie der Mann verdienen. Kind rechts im Arm, Laptop links im Arm, perfektes Armani-Outfit, Wohnung stylish, Traummann an der Seite.

Ein Alptraum, diese – vermeintlichen – Superweiber. Legen sie doch eine Steilvorlage vor, die sie, wenn sie ehrlich zu sich sind, im Grunde nicht einmal selber schaffen. Denn in Wahrheit gehen sich all diese Baustellen gleichzeitig nicht aus. Wie ein magisches Vieleck: Investiert man in das eine Eck, schreit’s im anderen sofort „Hilfe!“. Aber die eine Frau, die es mit unbändiger Energie tatsächlich schafft, alle Vorgaben zu erfüllen – und wenn sie nur gegenüber dem Arbeitgeber so tut also würde sie es schaffen –, legt für die nächste Mitarbeiterin bereits die Latte als Maßstab. Damit erschafft frau selbst eine Erwartungshaltung, die sie per se nicht erfüllen kann. Und plötzlich hat eine ganze Generation von Frauen das Gefühl, irgendwie ständig überall nicht zu genügen. Aber was will frau? Die Jobs der Männer ganz oben, samt deren Gehältern dort ganz oben. Also müssen wir uns auch genauso flexibel, einsatzfähig und mobil zeigen wie die Männer – auch wenn wir die Kinder im Rücken haben. Aber dort oben ist halt auch der Druck ein gnadenloser. Probleme sind in diesen Höhen nicht angesagt. Vor dieser Situation erscheinen die Diskussionen um zwei Monate Väterkarenz eher als Witz, Masern gibt’s schließlich bis zehn!

Doch was muss frau tun? Quoten locken nur noch mehr in diese Falle – und erzeugen nur noch mehr Erfüllungsdruck. Vielleicht sollte Emanzipation noch mal genau hinschauen, ob der „Ich will alles“-Weg wirklich der richtige ist (siehe auch Coverinterview im Bestseller 5–6/2012 über das Dilemma der modernen Frau)?
stats