Presseförderung als Mission Impossible?
 

Presseförderung als Mission Impossible?

Glosse von Birgit Schaller

Elf Millionen Euro Presseförderung: Das sind minus 50 Prozent innerhalb von 20 Jahren. Dagegen landeten heuer 140 Werbemillionen in Form von ­Regierungsinseraten, durchaus für wichtige Kommunikationsarbeit, zu einem großen Teil in reichweitenstarken Medien. Die Qualitätszeitungen leiden. Natürlich in Österreich, das ein bisschen gemütlicher tickt als mancher Nachbar, auf noch hohem Niveau. Trotzdem, die Zeiten haben sich geändert – und da muss auch die zuletzt 2003 novellierte Presseförderung mit. Der VÖZ fordert 50 Millionen und will mehr Transparenz in der Vergabe. 1992 gab es eben weniger Medien, kein Internet, keine Wirtschaftskrise. Standard und Presse erhielten 2012 etwa eine Million, das WirtschaftsBlatt 670.000 Euro, doch dann wird es mit der Förderung journalistischer Qualität überschaubar: Falter 75.000 Euro, profil 50.000.

Bedenken wir die konjunkturellen Einbußen, macht es den Anschein, als wolle man hierzulande die Qualitätsmedien hängenlassen. Gerade jetzt, wo die Aufdeckung diverserer Ungereimtheiten seitens Politik und Wirtschaft kulminiert, vielleicht eine logische Folge? Parallel wurde heuer die Parteienförderung von 15 auf 22 Millionen angehoben – wenn sparen, dann doch bitte überall. Nachdem das Medientransparenzgesetz die politische Inseratentätigkeit ohnehin in die Schranken weist, könnte man das nicht vergebene Geld ja zur Abwechslung nachvollziehbar verteilen. Somit traten die Intellektuellen und Aufdecker des Landes auf, um ihre Anliegen zu thematisieren und müssen bei der VÖZ-Enqete (Seite 7) typische Ich-leg-mich-nicht-fest-Statements der Politiker ertragen. Sie erhielten Gehör, aber parallel dazu sind Printtitel aus dem Qualitätssegment gut beraten, weiter eigene Überlebensstrategien zu finden, weil nur Unabhängigkeit auf einem hohen Level vor Gängelung und Bestechlichkeit schützt. So fragte profil-Herausgeber Christian Rainer: „Will ausgerechnet die Politik, die einen parlamentarischen U-Ausschuss abgewürgt hat, kritische Medien fördern?“
stats