PR-Denglisch at its best
 

PR-Denglisch at its best

Kommentar von Timo Niemeier

Kennen Sie das? Sie haben ein Interview transkribiert, mit Mühe alle Haspler und „Ääääh“s herausgefiltert, das Wichtigste auf wenige Zeilen he­runtergebrochen, und dann der bange Moment: Gleich schicken Sie den Text an die Pressestelle zum Autorisieren.
Sie wissen, dass Sie das Interview so nie wieder zurückbekommen. So ist es ja irgendwie immer, auch bei mir.

Meistens sind die Änderungen, die die Pressestelle wünscht, auch okay. Manchmal aber muss ich schon staunen, welche abstrusen Formulierungen die PR-Verantwortlichen dann hinzufügen. Schon lustig zu sehen, wie sie sich verzweifelt abstrampeln, durch die eine oder andere Formulierung besser dazustehen. Sie unterstreichen dann gerne ihren Unique Selling Point (USP) oder ihre Advantages. Oder noch besser: ihren Hometurf. Genau. Hometurf. Und nein, das ist nichts zu Essen. Das soll so etwas bedeuten wie Heimvorteil. Das sollte man kennen, schauen ja genug Menschen Fußball. Aber nein, es muss Hometurf sein.

Nur damit es alle Männer und Frauen in der PR wissen: Das will außer euch niemand lesen. Niemand kann etwas mit abgehobenen PR-Begriffen anfangen, die man nach dem Lesen erst einmal nachschlagen muss. Und die Leser? Die kugeln sich vermutlich vor Lachen auf dem Boden, wenn sie sehen, welchen englischen Begriff die PR-Fachleute nun wieder ins Deutsche überführen.
Nein, das tut niemandem gut. Weder den Unternehmen, die sich mit den gestelzten Formulierungen nur selbst lächerlich machen, und auch nicht den Journalisten, denen dadurch ein guter Text verloren geht. Die Leser haben ohnehin keinen Hometurf von denglischen Möchtegern-­Begriffen: Sie wollen verstehen, was sie lesen.
stats