Penetrant proprietär
 

Penetrant proprietär

Kommentar von Andreas Hierzenberger

Der Second Screen beflügelt die Fan­tasie von Sendehäusern und Marketern wie kaum eine Erfindung der letzten zehn Jahre. Inhalte geräteungebunden  zu konsumieren, ist aber auch für den Enduser eine erfreuliche Option; der Medienkonsum auf unterschiedlichsten Bildschirmen gehört ja mittlerweile zum digitalen Lifestyle. Und welch Format- und Protokollreichtum geboten wird! Airplay, Allshare, Chrome- und Miracast, WiDi, und wie sie alle ­heißen, versprechen mehr oder weniger alle dasselbe: weitgehende Kabelfreiheit, Mobilität im Unterhaltungsalltag.

So zumindest die Theorie. In der ­Praxis haben diese Formate alle nur eines gemein: Sie sind untereinander minimalst kompatibel, weil größtenteils ­proprietär ausgelegt. Durchaus verständlich – schließlich wollen die Produzenten den neuen Markt nicht mit Mitbewerbern teilen. Nein, die Einigung auf einen übergeordneten allgemeingültigen Standard tut man sich nicht an. Man müsste das Scharmützel um Marktanteile dann nämlich auf ­einem anspruchsvollen Schlachtfeld austragen: der direkt vergleichbaren Produktqualität. Und in Anbetracht dieser Herausforderung will wieder einmal keiner der erste sein.

Freilich ist dieses Techno-Babylon nur von kurzer Lebensdauer. Auch den längst alltäglichen Standards MP3, VHS oder WiFi ging ein ähnlich geartetes, brutales Evolutionsgetümmel voraus – nur kann sich heute kaum noch jemand daran erinnern. Warum also das Kriegsleid ­nicht gleich abkürzen und ­lieber in Benutzer- (und Entwickler-)freundlichkeit investieren?
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