ORF-Gesetz: Was vom Kuscheln blieb
 

ORF-Gesetz: Was vom Kuscheln blieb

Es war ein seltsamer Abend.

Es war ein seltsamer Abend. Die personifizierte Medienpolitik der Regierungsparteien – ÖVP-Mediensprecher Karlheinz Kopf und SP-Medienstaatssekretär Josef Ostermayer – stellte sich auf Einladung der „Initiative für Qualität im Journalismus“ einer gemeinsamen Diskussion in den APA-Räumlichkeiten, moderiert von Standard-Medienredakteur Harald Fidler. Im Publikum: geballte Fachkompetenz – von Medienrechtler Hans Peter Lehofer bis zu Hans Mahr und wieder zurück. Allein vom ORF ließ sich kein Offizieller blicken, was insofern auffällig war, als es fast ausschließlich um den ORF ging. Was außerdem auffiel: Ostermayer und Kopf verstehen sich persönlich ausgezeichnet. Aber der eigentliche Höhepunkt des Abends: Als Fidler ÖVP-Klubchef Kopf eindringlich fragte, ob er – beziehungsweise die ÖVP – sich in Sachen ORF-Gesetz von der SPÖ nicht komplett über den Tisch gezogen fühle, antwortete an seiner statt Ostermayer, und zwar mit versöhnlichen Worten: „Es geht nicht um Sieger oder Verlierer, sondern um die Sache.“ Oder so ähnlich. Und weil die beiden Politiker so innig waren, glaubte man ihnen, als sie sich zuversichtlich gaben, dass das ORF-Gesetzespaket bereits diese Woche den Ministerrat passieren würde. Heute, genau eine Woche später, liegen sich SPÖ und ÖVP wieder in den Haaren, streiten um eigentlich längst ausverhandelte „Details“ und mir geht der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf, die neuen Forderungen seitens der ÖVP haben sehr wohl damit zu tun, dass es – Ostermayer zum Trotz – eben doch irgendwie immer ums Siegen oder Verlieren geht.

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