Ohne Web keine Medienzukunft
 

Ohne Web keine Medienzukunft

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Gastkommentar von Dieter Bornemann

Sie lesen diesen Text auf Papier, oder? Auf keinen Fall im Internet. Und wenn doch, dann bitte nicht verlinken. Und schon gar nicht via Social Media teilen. Das ist nämlich verboten. Zumindest für ORF-Inhalte. Absurd, oder?

So steht es aber im ORF-Gesetz. Demnach darf der ORF keine „Kooperation“ mit Social-Media-Plattformen eingehen. Und Kooperation ist alles, was man auf Facebook, Google+, Twitter und allen anderen Plattformen tut. So weit, so schlecht. Die gesamte Medienbranche ist weltweit im Umbruch. Sinkende Werbeeinnahmen, weniger verkaufte Auflage, massive Kürzungen bei den Journalisten. Die neue Medienwelt findet im Internet statt. Unabhängig davon, ob es den Machern gefällt oder nicht. Wer den Sprung von Analog zu Digital nicht schafft, wird als Massenmedium bald nicht mehr existieren. Ohne auf juristische Spitzfindigkeiten eingehen zu wollen, die Kernfrage ist simpel: Will der Gesetzgeber wirklich, dass dieses anachronistische Gesetz in Kraft bleibt? Soll der ORF vom – überwiegend jungen – Publikum auf den sozialen Plattformen abgeschnitten werden? Vor allem für junge Nutzer ist Facebook oft der wichtigste Nachrichtenkanal. Es geht dabei immer um die einzelne Story, nie um die ganze Zeitung oder den Sender, der die Story bringt. Aber Medien, die hier nicht präsent sind, existieren für die Jungen einfach nicht. Diskussionen finden auf Social-Media-Plattformen statt. Marken, die hier nicht vertreten sind, verschwinden vom Radar der Aufmerksamkeit. Wenn sich die Mediennutzung ändert, muss der öffentlich-rechtliche Rundfunk überall dort aktiv sein, wo die Nutzer sind. Und das sind immer stärker die sozialen Netzwerke. Wenn wir unser Publikum nicht bedienen können, versinken wir in die Bedeutungslosigkeit.

Sehr geehrte VÖZ-Manager: Es bringt Ihnen nichts, wenn der ORF nicht auf Facebook ist. Sie werden dadurch keine zusätzliche Zeitung am Kiosk ver­kaufen. Für den ORF – und für sein Publikum – ist es hingegen ein enormer Schaden. Unsere öffentlich-rechtlichen Inhalte werden von der digitalen Zukunft abgeschnitten. Da der ORF von (fast) allen österreichischen Haushalten finanziert wird, soll auch jeder das Recht haben, unsere Inhalte zu konsumieren. Unabhängig davon, auf welchem Kanal die User das wollen. Auch wenn es Facebook ist. Das ORF-Gesetz muss jetzt möglichst rasch repariert werden. Weder Wähler, noch ORF-Publikum haben Verständnis für anachronistische Verbote. Und Sie – liebe Leserin, lieber Leser – seien Sie doch so nett und „liken“, „sharen“ oder „vertwittern“ sie diesen Beitrag. Das ist in der heutigen Medienwelt nämlich ganz normal.

Dieter Bornemann ist „ZiB“-Redakteur und neu gewählter Vorsitzender des ORF-Redakteursrates.

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