Österreich hat gewählt, Twitter war dabei
 

Österreich hat gewählt, Twitter war dabei

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Kommentar von Yvonne Widler

Peter Filzmaier, bekannt aus den ORF-Wahlkonfrontationen, in denen er ­gemeinsam mit Sophie Karmasin das Gesagte zerpflückte, war einer von ­vielen Gästen der Österreichischen Medientage. Er saß auf jenem Podium, auf dem es um politische Glaubwürdigkeit ging, darum, ob Politiker schon zu sehr mediengecoacht seien. Das Gespräch kam auf das allmächtige Twitter-Auge, das jedem Politiker im Nacken sitzt, stets lauert und auf Fehler wartet – ganz viele ­Freudentränen durfte es in diesem Wahlkampf vergießen, denn während Filzmaier und Karmasin noch am zerpflücken der politischen Konfronta­tionen waren, hatte die Twitteria dies bereits erledigt. Das und auch das von Filzmaier und Karmasin Gesagte war digital längst zerlegt worden.

Im Online-Bereich könne man jedenfalls nicht von einer Inszenierung der Politiker sprechen, eher davon, dass sie geschult werden, so Yussi Pick von Pick & Barth. Die einen wurden besser, die anderen schlechter geschult, manche anscheinend gar nicht. Und nun das dritte Publikum: Twitter. Als hier eher ungeschult wurde Stefan Petzner vom Podium diagnostiziert: Er hätte sich den einen oder anderen Tweet sparen ­sollen, so Pick. Ein Check gibt ihm recht. ­Amüsanterweise zwitscherte Petzner im gleichen Moment – fast schneller als sein Twitterschatten – seinen Ärger, nicht zu den Medientagen geladen ­worden zu sein. Der ex-orange Antiheld Stefan Petzner muss ein weiteres Mal als Protagonist dafür, „wie man es nicht macht“, herhalten.

Aber so hart die Twitteria auch mit den Politikern umspringt, so sehr zieht es sie in Richtung Echtzeitfeind. Und wenn gar nichts los ist, macht man es wie Michel Reimon, der twitterte kürzlich: „Dem Buben ist fad. Könnt wer irgendwas twittern, über das man sich aufregen kann?“

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