NSA: Werbung in Apps im Zwielicht
 

NSA: Werbung in Apps im Zwielicht

#

Kommentar von Jakob Steinschaden

„Die NSA-Affäre ist schlechtes Mar­keting für jede Firma, die aus den USA kommt, und die beste Kampagne, die Europa passieren konnte“, verkündete Peter Vesterbacka, Marketingchef der finnischen App-Firma Rovio („Angry Birds“) noch vor einigen Tagen auf der Bühne der Münchner DLD-Konferenz.

Nun, seit Anfang dieser Woche dürfte Vesterbacka komplett anderer Meinung sein – denn da verkündeten der britische Guardian und die New York Times, dass die NSA auch bei ­populären Smartphone-Apps wie eben „Angry Birds“ (weltweit mehr als zwei Milliarden Downloads) ihre Finger im Spiel hat. Mobile Anwendungen sind für die ­Spitzel offenbar ein Weg, um an ­Kontaktlisten oder Ortungsdaten des Handy-Nutzers zu gelangen. Rovio ­konterte sofort und schob die Schuld auf Werbenetzwerke, die in Millionen Webseiten und Apps eingebunden sind und ihrerseits Daten (über die Nutzer) sammeln. „Rovio gibt keine Nutzer­daten an staatliche Überwachungsbehörden weiter“, vielmehr würden die Ad Networks die Schwachstelle sein, über die die NSA und das britische GCHQ an die sensiblen Informationen gelangen könnten. Rovio will jetzt die Zusammenarbeit mit den App-Werbern überprüfen und gegebenenfalls ändern, falls diese Netzwerke tatsächlich für Spionage genutzt werden.

Mit den neuen Enthüllungen rückt die NSA-Überwachung demnach nicht nur noch näher an den Endverbraucher heran, der sich scheinbar harmlose Spiele aufs Smartphone lädt, sondern auch an die Werbebranche. Digitalwerber sind in den ­letzten Jahren zu Mini-Facebooks geworden, die Daten über Nutzer sammeln – und stehen plötzlich als Handlanger der US-Spione da. Ganz schlechte Werbung für die Werbung also.
stats