NSA-Leak hilft der Privatsphäre
 

NSA-Leak hilft der Privatsphäre

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Kommentar von Jakob Steinschaden, Redakteur

Der 6. Juni 2013 ist die größte Zäsur der Internetgeschichte seit dem Platzen der Dotcom-Blase am 10. März 2000 – also jener Tag, an dem Guardian und Washington Post damit begannen, brisante Informationen zur Kommunikationsüberwachung durch den US-Geheimdienst NSA zu veröffentlichen. Es ist derzeit kaum abzuschätzen, wie sehr das Vertrauen der Menschen in die Internet-Cloud erschüttert wurde. Mit personalisierter Werbung auf Basis von Online-Profilen hat man sich abgefunden, aber die mögliche Bespitzelung der eigenen Daten bei Facebook, Google, Microsoft und Apple geht zu weit. Die NSA-Leaks könnten zu einer neuen Generation von Internet-Diensten führen, die Daten wirklich privat ­machen. Die kleine, auf Privatsphäre ­bedachte Google-Alternative DuckDuckGo, die keine Nutzerprofile und Suchanfagen speichert, ist ein Beispiel: Sie verzeichnete im Zuge der NSA-Leaks eine Verdreifachung der Suchanfragen. Ein anderes ist Box­cryptor: Die Software aus Bayern hilft dem Nutzer bei der Verschlüsselung von Daten, bevor er sie bei Dropbox oder Google hochlädt.

Galt Datenschutz bis dato nicht unbedingt als Geschäftsmodell, findet jetzt ein Umdenken statt. Der New Yorker Risikokapitalgeber FirstMark hat diese Woche 3,5 Millionen Dollar in das Start-up Disconnect gebuttert, dessen Browser-Erweiterung das heimliche Tracken durch Internet-Dienste unterbindet. Es wird spannend zu sehen sein, welche Privatsphäre-Ideen demnächst Investments bekommen. Vielleicht gibt es also ­bereits eine Antwort auf die oft gestellte Frage „Was kommt nach dem Social Web“? – Das „Private Web“.

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