NSA: Ein Geschenk für die Werber
 

NSA: Ein Geschenk für die Werber

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Kommentar von Jakob Steinschaden

Die Enthüllung der Spähprogramme Prism (USA) und Tempora (Groß­britannien) durch Ex-NSA-Mitarbeiter Edward Snowden und den Guardian haben interessante Folgen. Während der Durchschnittsbürger die Massenüberwachung von Telefonaten, E-Mails und Internetnutzung oft mit Schulterzucken hinnimmt (von „Hab nix zu verbergen“ über „Kamma eh nix machn“ bis „Das hilft gegen Terrorismus“), fürchten US-Cloud-Anbieter einen Verlust von bis zu 35 Milliarden US-Dollar. Das Vertrauen von Firmenkunden in die Server-Dienste von Google, Microsoft & Co. sei erschüttert, die ­würden ihre Daten bald lieber in europäischen Ländern wie dem strengen Deutschland speichern.

Spannenderweise hat sich jetzt der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) aus Deutschland in die Diskussion eingeschaltet. „In der durch Prism erneut ausgelösten Diskussion um die Erhebung und Nutzung von Online-Daten werden staatliches Handeln und das legitime Agieren privatwirtschaftlicher Unternehmen in einen Topf geworfen. Das ist fatal und falsch“, erklärt Thomas Schauf vom BVDW. „Eine Diskussion, die das zweifelhafte Vorgehen von NSA und GCHQ mit den Geschäftsmodellen der digitalen Wirtschaft in Verbindung bringt, schadet der Innovationsfähigkeit und der Zukunftsfähigkeit der digitalen Wirtschaft in Deutschland und Europa.“

Wer wie wo und wann die Praktiken der NSA mit jenen der Werber vermischt hat, wird leider nicht dazugesagt. Aber vielleicht ist Jammern sowieso nicht der beste Ansatzpunkt, denn eigentlich sollten die Digital-Werber sich freuen. Seit den Leaks wirkt das Tracking und Targeting zu Werbezwecken ziemlich harmlos neben dem, was die NSA so mit Nutzerdaten macht. Die NSA überwacht 75 Prozent des Internetverkehrs, hebt E-Mails fünf Jahre lang auf und hat die führenden IT-Konzerne Amerikas per Geheimgesetz zu ihren Handlangern gemacht, die keinen Pieps zu den Abhörmethoden sagen dürfen. Dagegen wirkt ein bisschen personalisierte Werbung im Facebook-Profil doch eigentlich ziemlich fad.
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