‚News‘: Brav, aber entwicklungsfähig
 

‚News‘: Brav, aber entwicklungsfähig

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Jenseits des HORIZONT

Brav das Cover, brav die Kommentare, brav die Storys – und brav die Menschen, die im neuen News porträtiert werden. Ein liebevolles Magazin, ein liebevoller Mix aus behutsam investigierenden Artikeln, betulich bedeutsamen Kommentaren und Reportagen, die man schon zu kennen glaubt.
Vieles, was als neu ausgegeben wird, war schon einmal Aufmacher, Hauptstory in anderen Medien, vornehmlich deutschen Sonntagszeitungen. Den Autoren liest man an, dass sie nicht aus der Magazinkultur kommen, manches lässt an Kommentarseiten aus Tageszeitungen denken, oder an deren „Seite 3“. Ein seltsames Hybrid ist entstanden, über das man nichts Schlechtes sagen kann. Die Foto­strecken – zugekaufter Stock, wogegen nichts einzuwenden ist – und die letzte Innenseite – sind an das Muttermagazin Stern angelehnt, auch nichts, das es zu kritisieren gäbe. Kulturberichterstattung findet statt, Feuilleton nicht. Christina Stürmer und Gerhard Berger sind Topoi für das neue News.
Ein braves, liebevolles Magazin.

Selbst die „Hypo-Awards“, die in der aktuellen Nummer verliehen werden, haben nichts Bösartiges oder Zynisches. Ein bemühtes Magazin. Man spürt den Ernst, mit dem die Autoren an die Sache herangehen. Die Ressort­aufteilung ist klassisch korrekt, ebenso die Bezeichnungen. Auf dem Weg zur Seriosität steckt man im schulischen Kanon. Man meint, noch etwas ­Verkrampftheit zu orten. Gewiss: Die neuen Mitarbeiter sind noch nicht eingespielt, Kulturen – auch des Schreibens und den Investigierens – müssen erst harmonisiert werden.
Es gibt erfrischende Kommentare: Lotte Tobisch etwa, Elegance und ein Schuss Ironie. Immerhin war sie mit Adorno befreundet.
Dennoch: News ist noch auf der ­Suche.

Man muss der Redaktion und dem Verlag das zugestehen. Ernsthaft und engagiert geht man es an. Das ist erfreulich in einer Medienlandschaft, die zuletzt boulevardesk geprägt war wie nie. Es kann Großes entstehen. Ein neues Format.

Man muss Frau Weissenberger Zeit geben. Ein halbes Jahr, ein Jahr vielleicht.
Man wünscht, dass die Eigentümer diese Geduld aufbringen. Letztendlich entscheidet der Markt. Das sind die Leser, die großen Anzeigenkunden – auch sie haben die Möglichkeit, ein Jahr wohlwollend zuzusehen.
Man sollte fair sein – und einer jungen Pflanze jenen Humus des Vertrauens schenken, das sie braucht, um zu wachsen.
Viel Glück und auf ein bald spannendes News. Das brauchen wir hier in Österreich.

[Jenseits des HORIZONT
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