Nein zur Homo-Ehe, Ja zur Viennale!
 

Nein zur Homo-Ehe, Ja zur Viennale!

Ja, darf man denn das – mit den Mitteln einer rechtsradikalen Partei einen Viennale-Film anteasern?

Ja, darf man denn das – mit den Mitteln einer rechtsradikalen Partei einen Viennale-Film anteasern? Die Empörung über das Fake-Plakat, das sich als Werbung für den Film „Blutsfreundschaft“ von Peter Kern herausstellte, schlug ­medial hohe Wellen, und dürfte die Besucherzahlen für den Film, der die Thematik Homosexualität und Neonazis behandelt, einigermaßen steigern. Ich staunte nicht schlecht, als ich die Anzeige in der "Presse am Sonntag" zum ersten Mal sah und den Star des Films, den ziemlich gealterten Helmut Berger, nicht gleich erkannte. Immerhin – laut meiner Mutter – einst der schönste Männer auf Erden. Gestaunt hat auch "Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker. Darüber, wie viele Menschen tatsächlich glaubten, dass eine neue, ultrarechte Partei in Österreich am Start sei. Was wir in Österreich nicht schon alles gewohnt sind.

Gestaunt habe ich auch über die heftigen redaktionsinternen Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten zu dieser provokanten Werbung. Und nicht zuletzt über die Gratis-Tageszeitung "Heute", die in ihrer Ausgabe vom 20. Oktober ihre Leser mithilfe eines großen roten Pfeils neben dem Sujet wissen ließ, dass „sich die Heute-Redaktion vom Inhalt dieses Inserates distanziert“ und dass „der Kunde darauf hinweist, dass es sich um eine Werbung für einen Anti-Nazi-Film handelt“. Ach so, „Anti-Nazi“, na dann ist ja alles nur ein Scherzerl, nicht wahr? Endlich mal eine Werbung für einen Film (Franz Weissenböck, Agentur Goldfish), die auf andere Mittel setzt als auf Filmplakate, die alles Inhaltliche vorwegnehmen, provozieren und jene entlarven, die fragen: „Ja, darf … ?“ Ich hoffe, der Film hält, was diese Werbung ­verspricht. Mehr derartig innovative Filmwerbung durchaus erwünscht!
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