Nachahmung empfohlen
 

Nachahmung empfohlen

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Kommentar von Milan Frühbauer

Fern sind die Zeiten in denen sich Kabarettisten, Feuilletonisten und Operettenlibrettisten über die Post mehr oder minder liebevoll lustig machten. Einen Brief absenden heiße in Österreich bezeichnenderweise „aufgeben“, spottete dereinst auch Karl Kraus. Mittlerweile ist die Österreichische Post ein sehr marktorientierter Dienstleister, dessen Konzept der „Post-Partner“ – anfangs mit viel Skepsis konfrontiert – aufgegangen ist. Eine Fülle von Services ist in den vergangenen Jahren dazugekommen. In einem Land, das leider in vielen Branchen noch als Servicewüste empfunden wird, eine nicht alltägliche Marketingstrategie.

Seit zehn Jahren ist die Post an der Wiener Börse notiert. Damit gelang der Durchbruch zu einem Unternehmen, das sich täglich neuen Herausforderungen der Digitalisierung, sozio­demografischen Veränderungen im Kundenverhalten und der Investorenerwartung zu stellen hat. Gerade weil es um die Wiener Börse gegenwärtig nicht zum Besten bestellt ist und der Kurszettel leider abmagert, sind „Börsennotierte“ von dieser Qualität besonders zu würdigen. Auch der Kursverlauf der vergangenen Dekade zeigt eindrucksvoll, dass die Privatisierung von im öffentlichen Mehrheitsbesitz befindlichen Infrastrukturgaranten eine Erfolgsgeschichte sein kann. Wenn es den politischen Willen dazu gibt und Manager an der Spitze stehen, die den Begriff Wettbewerbswirtschaft richtig interpretieren. Das Unternehmenskonzept der Post und die Verankerung am Kapitalmarkt seien damit zur Nachahmung empfohlen. Schließlich hat ja dieser Tage ein „New Deal“ begonnen …
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