My Venus, no Surprises!
 

My Venus, no Surprises!

Kommentar von Clemens Coudenhove

Für den interessierten Beobachter einer jeden CCA-Gala sind die wirklichen Überraschungen unter den mit Veneres veredelten Kampagnen eher rar. Zumindest in den klassischen Disziplinen ist der Déjà-vu-Effekt überdurchschnittlich hoch. Für die immer gleichen maßgeblichen Auftraggeber wie Mercedes, Mömax, Reed Messe, derStandard.at, um nur eine wenige zu nennen, basteln die Venus-Jäger Neues aus Altem. Und die Grundideen vieler Kampagnen haben schon einen grauen Bart – müssen sie auch haben.

Paradebeispiel ist die langjährige und anfangs sehr beeindruckende Debra-Austria-Kampagne von Ogilvy (jetzt Lowe GGK), „So fühlt sich die Welt für ein Schmetterlingskind an“. Gewonnen haben die Kampagnen alles, was es zu gewinnen gibt, und zwar durchaus zu Recht. Und diesmal Silber für Lowe GGK. Verstehen Sie mich nicht falsch, alles sehr sauber gemacht, nur eben nichts wirklich Neues dabei. Dass es das Büro X immer wieder eindrucksvoll versteht, mit seinen Kampagnen für das MuseumsQuartier die Künstler- Community vor den Kopf zu stoßen, tut gut, ist quasi ein Dauerbrenner, der nicht nervt. Im Gegensatz zu Kampagnen, die Storys zum immer gleichen Slogan erzählen.

War das in der Vergangenheit anders? Wahrscheinlich nicht. Die Römerquelle- oder Palmers-Plakate konnte man früher auch nicht wirklich als Überraschung bezeichnen. Aber sie waren halt so wunderschön. Einigermaßen Neues gibt’s glücklicherweise in den Designkategorien, aber auch bei Illustration (DDB für McDonald’s), vor allem natürlich bei Creative Media. Da nutzte Demner, Merlicek & Bergmann das „neue“ Medium iPad für eine beklemmende Werbung für den Verein gegen Tierfabriken (VGT). Ein gefaktes Pelz-Sujet ist da einfach nicht wegzuwischen, stattdessen scheinen die Fingerspitzen Blut zu hinterlassen, ehe die Auflösung „27 Füchse mussten für diesen Pelz qualvoll sterben“ Klarheit verschafften. Und: Die T-Mobile-Kampagne „Philipps Projekt“ (Publicis Austria) in der Kategorie „Integrierte Kampagnen“: Danke an die beiden Agenturen dafür! Und eine Bitte an alle Kreativen und Auftraggeber: Überrascht uns ein wenig öfter!
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