Moralbefreit, aber einfach geil
 

Moralbefreit, aber einfach geil

Kommentar von Birgit Schaller

Vielleicht liegt es daran, dass der Urlaub in Südostasien diesmal nicht ganz die Erfüllung und die Freude auf die Heimat gar so unbändig war. Wie auch immer – endlich haben ich und wohl eine Reihe anderer Damen des Landes endlich wieder ein echt wienerisches Fernsehhighlight, und das jeden Montag.

Diese Woche sahen 816.000 Österreicher, also ich glaub ja eher, die -innen, „Vorstadtweiber“. Die Serie hat Potenzial zum Kulthit. Grenzgenial die Verschachtelungen und Verwerfungen zwischen den notgeilen 40-Jährigen Weibern und ihren karriere- und sexsüchtigen Männern. Da ist dem ORF was gelungen. Klar sind Dekadenz, Liderlichkeit, 19.-Bezirk-Tütü-Gehabe nahezu unerträglich. Diese Ode auf die „Probleme“ einer Gesellschaft der oberen Zehntausend, die schlicht keine echten Probleme kennt, nach dem Buch von Uli Brée unter der Regie von Sabine Derflinger, ist Unterhaltung und schwarzer Humor auf hohem Niveau. Kommt man gerade aus einer Diktatur, wo der schönste Strand des Landes einer Mülldeponie gleichkommt, dass es im Herzen wehtut, dann sollte man sich vielleicht nicht gerade mit Oberflächlichkeit pur ablenken. Aber es ist einfach zu herrlich, wenn sich die vier Freundinnen ein Stelldichein beim stylischen Schickimicki-Friseur und Frauenversteher Francesco geben oder die nunmehr mittellose frisch Geschiedene zur Sex-Toys-Tupper-Party lädt. Ich lache Tränen.

Einmal mehr wird eines deutlich: Gott, geht es uns gut hier in diesem paradiesischen Land, welch problembefreite Zone – das wird an diesem überzeichneten Format im Prosecco-schwangeren Wien überdeutlich. Allerdings, vielleicht sollte der ORF die Ausstrahlungszeit aufgrund der sexreichen Szenen überdenken.
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