Mobile, mobile, mobile
 

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Vortrag zum mobilen Computer Nutzer kommt aus ungewöhnlichem Blickwinkel

Jana Herwig und Susanne Zöhrer  kommen in ihrem Track über den mobilen Computer Nutzer von einer ganz unerwarteten Seite. In einer geistigen Zeitreise bereiten sie die Entwicklung zur mobilen Computernutzung auf und entführen die Zuhörer bis zurück in die 20-er Jahre. Das veränderte Rollenbild der Frau und ihre Emanzipation soll demnach ebenso Einfluss auf unseren mobilen status quo gehabt haben, wie die Computer Clubs der Bastler aus Stanford und anderen Unis in den 1970-ern. 

Die Quintessenz des Vortrags führt dann aber zur aktuellen Realität der mobilen Nutzung. Und dort klaffen auffallend das in der Kommunikation gezeichnete Bild mit dem tatsächlich Erlebten auseinander. Während die Werbung uns einen reibungslosen, freizeitorientierten Lifestyle mit mobilen Endgeräten erzählt, stehen in der Wirklichkeit oft Probleme mit der Technologie und der Connectivity an der Tagesordnung. Entsprechend divers sehen auch die Bilder aus Anzeigen und TV Spots und Schnappschüsse der Anwender selbst aus. Leidvoll mussten auch die Teilnehmer der re:publica diese Anlaufschwierigkeiten erfahren, wo bis Mittag 4.000 Teilnehmer, der Großteil davon aktive Blogger, auf funktionierendes WLAN warten mussten.

Dass sich die Gesellschaft mit der zunehmenden digitalen Kommunikation verändert, sieht man auch an der Sprache. Insbesondere der Umgang mit der in unseren Breiten sehr intensiv eingesetzten Ironie wird digital schwieriger und durch mobile Nutzung, die nicht immer mit 100% Aufmerksamkeit erfolgt, weiter verschärft.

Trend und Drang zum permanenten Life-Casting

Durch die Möglichkeiten sowohl der Social Networks als auch der technischen Features der Endgeräte wird ein immer größer werdender Drang zum aktiven Life-Casting des eigenen Lebens geschaffen. Interessant ist, dass vor allem die sozialen Erwartungen das unterstützen. Was mit dem Voraussetzen der ständigen Erreichbarkeit des Mobiltelefonnutzers anfing, geht heute in eine Erwartung über, immer alles über die Freunde und Mitmenschen wissen zu wollen. Wo sie sich gerade aufhalten. Was sie dort tun. Wie sie sich dabei fühlen.

Der in den letzten Jahren verstärkt auf den Plan getretene Begriff der „Authentizität“ wird dadurch verformt und immer mehr zu einem „Selbstbild, das sozial erwünscht ist“. Was über den einzelnen online steht wird zu einem Konstrukt dessen, was derjenige möchte, dass über ihn nach aussen transportiert wird.

Alles in allem interessante Denkanstöße, aber wenig Neues im Vortrag von Herwig und Zöhrer.

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