Mega-Werbeflash statt ‚I werd’ narrisch‘
 

Mega-Werbeflash statt ‚I werd’ narrisch‘

Kommentar von Birgit Schaller

Wird man eingeladen, geht frau auch hin. Wohin? Ins Happel-Stadion zum Ösi-gegen-(mit Verlaub)- Piefke-Krimi. Trotz der wirklich unverdienten 1:2-Niederlage – Holland liegt wohl näher bei Deutschland als Österreich (für Nicht-Insider: Der unfaire Schiri war von dort), bleibt „Massen“-haft Energie, Heimat-Enthusiasmus und natürlich ­„tiafe“ Bodenständigkeit übrig. Rainhard Fendrich sorgte für Gänsehautfeeling mit „I am from Austria“ und 47.000 wehende rot-weiß-rote Fahnen und der Arnautovic-Junusovic-Treffer für das doch noch gewahrte Selbstbewusstsein.

Apropos Fahnen – da sind wir schon mitten im Thema: Ich habe es schon lange nicht mehr erlebt, völlig von Werbung überrollt zu werden – aber Fußball macht’s möglich. Es fängt mit den megapräsenten Stiegl-Fahnen an, die neben jedem Sitz stecken, einem von Sitznachbarn beinah ins Aug’ gerammt werden und am Ende von verschütteten Ottakringer-Null-Alkohol-Bieren durchnässt sind.

Weiter geht’s mit dem eigenartigen aufgeblasenen Gebilde von Raiffeisen, das während der Aufwärmphase in der Rasenmitte gen Himmel zeigt. Hinzu kommt die für mich seit Jahren faszinierende leuchtende, blinkende und sich ständig verändernde Bandenwerbung (wie bitte kann man da Fußball spielen, das würde mich wahnsinnig machen, Gott sei Dank muss ich nicht vor 50.000 Menschen und 3.000 Werbemessages von Nutella bis Intersport kicken).

In der Pause warb man für das wunderschöne Land Österreich per Lautsprecher. Hyundai drehte eine Runde und warf T-Shirts vom Wagen auf die Tribüne. Auch manches Medium blieb am Ball: Der Tageszeitung "Österreich" war das Match eine Sonderausgabe wert – dieser sei Dank, dass ich wusste, wer am Ball war.

Natürlich sind die Spieler selbst echte Stars, und als Role Models der Jugend pflegen sie mittels Tattoos, Frisuren oder Charakterschwäche ihr Image. Dazu graste Jogi Löw im bekannten aufgekrempelten weißen Hemd den Spielfeldrand ab. Wenn man nun die hohe Emotionalität mit der starken Präsenz der Werbung am Platz multipliziert, dann ist plötzlich sonnenklar, warum alljährlich viele ­Unternehmen Millionen in Sportsponsoring ­investieren.
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