,Lügenpresse‘
 

,Lügenpresse‘

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Kommentar von Harald Klöckl

China macht es, der Iran macht es, Golfstaaten machen es, Länder Lateinamerikas machen es: Sie lancieren Medien, die ihre Deutung der Welt in den meist gesprochenen Sprachen transportieren.

Die Fülle an China-treuen Medien ist groß, hinter HispanTV steht Irans Regierung, TeleSUR wird von Vene­zuela und anderen sozialistischen Regierungen finanziert; Russia Today alias RT sendet, von Russland  gesponsert, vielsprachig. Einzig von der EU gibt es nichts Derartiges. Das könnte sich ändern: Vor wenigen Tagen tat der lettische Außenminister kund, dass sich das Baltikum von der EU die Gründung eines unabhängigen russischsprachigen TV-Senders erwartet. Dort konsumierten weite Teile der russischsprachigen Bevölkerung vom Kreml gesteuerte Programme. „Wir sehen, dass es Propaganda gibt, die gegen die EU, die USA und unsere Werte gerichtet ist“, sagte der Außenminister. Fast ­zeitgleich mit dessen Forderung haben Sprachwissenschaftler in Deutschland „Lügenpresse“ zum Unwort des Jahres gekürt. „Es war im ­Ersten Weltkrieg ein Kampfbegriff , diente auch den Nazis zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien“, heißt es. 

Sicher waren Kür des Unwortes,  Forderung des Letten und auch Charlie Hebdo binnen so kurzer Zeit Zufall, aber Idee (ein EU-Gegengewicht im globalen Infokrieg) und Motive des Letten haben etwas Zeitloses für sich.
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