Liebes TV-Publikum, ich bin stolz auf Sie!
 

Liebes TV-Publikum, ich bin stolz auf Sie!

Glosse von Sebastian Loudon

Noch selten zuvor war ich so gespannt auf die Einschaltquoten des Vorabends. Sonntagabend lief auf ATV die erste Folge der britischen Serie „Downton Abbey“. Als jemand, der bereits beide Staffeln samt „Christmas Special“ via DVD verschlungen hat, war ich über die Maßen neugierig, wie dieses Programm beim österreichischen Fernsehpublikum ankommt. Warum, fragen Sie gespannt und völlig zu Recht? Weil Downton Abbey vor allem eines ist: kompromisslose TV-Qualität. Ein geschichtlich hochinteressantes Setting – englischer Adelssitz mit Großfamilie und Personal, in der Zeit von 1912 bis 1919. Die letzten Jahre des Feudalismus, die Wirren des ersten Weltkriegs und die Neuordnung danach, das alles verpackt in einer prachtvollen englischen Parklandschaft, in deren Mitte ein extravagantes Schloss steht, das namensgebende Downton Abbey eben.

Schauspieler, Casting, Musik, Ausstattung, Kameraführung, Dialoge (erst recht in Originalsprache) – es gibt nichts, was an dieser Serie nicht gut ist. Dass die Briten diese ihre Serie lieben, ist leicht verständlich, aber das österreichische Publikum? Die Fans von „Saturday Night Fever“ und „Das Geschäft mit der Liebe“? Die Befürchtung war groß, dass ATV hier an der Zielgruppe vorbeiprogrammiert. Falsch gedacht: Mehr als 350.000 Zuseher im Schnitt waren bei der Free-TV-Premiere dabei. Mehr Seher erreichte ATV in diesem Jahr nur mithilfe des Fußballländerspiels gegen Kasachstan. Wenn das den Fernsehprogrammierern nicht Mut machen sollte!
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